Berlin - Der eiskalte Wasserkübel hatte offenbar einen weitreichenden Aufwacheffekt: Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist in diesem Jahr groß, sagt der Deutsche Spendenrat.

Die Deutschen steuern auf ein neues Rekordspendenjahr zu: Schon in den ersten acht Monaten 2014 haben sie dem Deutschem Spendenrat zufolge rund 2,7 Milliarden Euro gestiftet. Das waren 4,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Rekord- und Flutjahres 2013. "Wir haben ein erstaunlich hohes Spendenaufkommen", sagte die Spendenrat-Geschäftsführerin Daniela Felser am Dienstag (4. November) in Berlin. Die Summe reiche fast an die ersten acht Monate des Tsunami-Jahres 2005 heran.

Zwar ist die Zahl der Spender 2014 um rund 2 Millionen auf 16,2 Millionen gesunken, doch die Höhe der Durchschnittsspende stieg von 30 auf 34 Euro. Vor allem die 40- bis 59-Jährigen spendeten deutlich mehr, speziell für die Bereiche Krankheit und Behinderung. "Hier könnten auch Initiativen wie die "Ice Bucket Challenge" oder soziale Netzwerke wesentlich zu mehr Spendenbereitschaft beigetragen haben", sagte Felser. So wuchsen etwa allein die Spendeneinnahmen durch 40- bis 59-Jährige, die von Freunden und Bekannten den Spendenimpuls bekamen, von 60 Millionen Euro auf mehr als 200 Millionen Euro.

Aber auch die Unterstützung für die Opfer der Ebola-Seuche in Westafrika nimmt zu. "Es hat jedoch lange gedauert, bis das Bewusstsein dafür da war", berichtete Bernd Pastors vom Medikamentenhilfswerk Action Medeor. Auch wenn Bundesregierung und Bundeswehr nun Hilfe leisteten, seien private Spenden nach wie vor dringend erforderlich. "Wir sehen gleichzeitig, dass es schwieriger ist, Spenden für andere Krisenherde zu sammeln, wo die Probleme menschengemacht und die Verursacher unklar sind - etwa in Syrien oder im Irak", sagt Pastors.

Die Zahlen wurden vom Marktforschungsunternehmen GfK auf Basis einer monatlichen Befragung von 10 000 Deutschen ab 10 Jahren ermittelt und hochgerechnet. Nicht berücksichtigt wurden Großspenden und Erbschaften. Das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) ermittelt jährlich eine Spendenbilanz anhand der Einnahmen der größten Spendenorganisationen mit Spendensiegel. Diese Zahl fällt meist deutlich höher aus.