Nürnberg - Senioren sind beim Geldanlegen oft konservativ. Schließlich geht es vor allem um den Erhalt ihres Vermögens. Doch das muss nicht die richtige Strategie sein: Auch für ältere Kunden kann sich etwas mehr Risiko lohnen.

Sicherheit ist für Anleger hierzulande wichtig. Und dieses Bedürfnis scheint mit dem Alter noch zuzunehmen. Auch Anleger über 60 parken ihr Geld häufig auf klassische Art - ob auf dem Girokonto, dem Sparbuch oder einem Tagesgeldkonto. Zinsen bringt das derzeit aber kaum. Wer für schlechte Zeiten vorsorgen will, sollte genau prüfen, wofür er spart und wie hoch der Bedarf ist.

Geht es zum Beispiel um die Pflegebedürftigkeit im Alter, wollensich nach den Erfahrungen von Udo Schindler von der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg viele Anleger mit absolut sicheren Rücklagen wappnen. Mit dem Geld soll, wenn es denn so kommt, eine adäquate Behandlung in einem guten Heim sichergestellt werden - ohne dass die eigenen Kinder etwas beisteuern müssen.

Nach Auffassung von Schindler werden allerdings die erforderlichen Eigenleistungen oft überschätzt. Für die Heimkosten kommt zwar die Pflegeversicherung nicht komplett auf. "Allerdings ist die Deckungslücke oft deutlich geringer als erwartet." Außerdem dauert der Aufenthalt von Senioren in einer Pflegeeinrichtung laut Schindler häufig nicht so lange wie anfangs gedacht.

"Beides zusammengenommen, Verweildauer und Eigenleistungen, ergeben einen weit geringeren Betrag, der für einen möglichen Pflegefall nötig ist, als viele denken", betont Schindler. Insofern könnte ein Teil des liquiden Vermögens, sofern damit nicht der Lebensunterhalt finanziert werden muss, gewinnbringend angelegt werden. Zum Beispiel in einem ETF (Exchange Traded Funds). Wer im höheren Alter in einen ETF mit einer Anlagedauer von mindestens zehn Jahren investiert, kann schwache Kursphasen in der Regel wieder ausgleichen.

Auch aus Sicht des Bundesverbandes deutscher Banken könnten ältere Anleger durch ein geschickteres Vorgehen durchaus mehr Rendite erzielen. Das geht schon in kleinen Schritten. "Mit dem aktiven Vergleichen von Zinsen können Sparer oft ein wenig mehr herausholen als die mageren Zinsen derzeit und dabei voll und ganz auf Nummer sicher gehen", sagt Sprecherin Julia Topar.

Ähnlich äußert sich Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. Er rät dazu, eventuell das Geldinstitut zu wechseln. Die Konditionen von Online- und Direktbanken seien häufig günstiger als die von Filialbanken. "Für einen solchen Wechsel muss allerdings die Bereitschaft vorhanden sein, ein Konto auch online zu führen."

Grundsätzlich empfiehlt er, die Sparziele, die ältere Anleger über die Finanzierung des angestrebten Lebensstandards haben, genau zu definieren. Solche Ziele können etwa Reisen, finanzielle Unterstützung von Kindern und Enkeln oder etwa der Kauf von Autos sein. "Wer für die Nachkommen spart, kann langfristiger beispielsweise in Immobilien anlegen", erklärt Topar. Ein Teil des Vermögens könne auch im Alter in Aktien investiert werden. "Dabei gibt es eine Faustregel", sagt die Banken-Sprecherin: "100 minus Lebensalter." Das heißt, dass etwa ein 75-Jähriger höchstens 25 Prozent seines Vermögens in Aktien anlegen sollte.

Zudem gilt aus Sicht von Topar: Wer in einen breit gestreuten Aktienfonds, in Unternehmensanleihen mit hoher Bonität oder in einen ETF investiert, habe sein Geld immer noch relativ sicher angelegt und könne auf eine weitaus höhere Rendite hoffen, als das bei einem Sparplan oder einer Bundesanleihe der Fall ist.

Anleger sollten aber keinesfalls "blindes Vertrauen" gegenüber dem Berater und seinen Argumenten zeigen, betont Scherfling. Er empfiehlt Bankkunden, sich mit dem angepriesenen Produkt aktiv zu befassen und auch Vergleichsangebote einzuholen. Dann müsse jeder für sich entscheiden, welcher Anlagebetrag sinnvoll ist und welche Risiken akzeptabel sind. "Der gesamte zur Verfügung stehende Betrag sollte keinesfalls in ein einziges Produkt gesteckt werden", rät der Verbraucherschützer. "Anleger sollten nur das kaufen, was sie auch verstehen", fügt Topar hinzu.

Bevor aber überhaupt ein Gedanke ans Geldanlegen verschwendet wird, muss sicher sein, dass der Grundbedarf gedeckt ist: "Miete, Lebensmittel, Kleidung und andere laufende Ausgaben sollten mühelos bezahlt werden können", sagt Topar. Auch nicht zu vergessen: Rücklagen für einen möglichen Pflegefall.