Berlin - Für Einsteiger erscheint die Aktienwelt oft wie ein großes Rätsel. Dennoch sollten sie keine Angst davor haben, ihr Geld anzulegen. Doch nur wenn Neuaktionäre einige wichtige Punkte im Blick behalten, können sie auch Gewinn machen:

Ziel: Wer sein Geld an der Börse investieren möchte, sollte sich erstmal überlegen, was er sich davon erwartet. "Spare ich für die Rente oder für das Auto nächstes Jahr? Das macht einen großen Unterschied", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Denn eine Aktie bringt in der Regel nicht das schnelle Geld, Anleger sollten eher langfristig denken.


Dauer: Wer sein Geld anlegen möchte, braucht einen langen Atem. "Mindestens drei Jahre, eher fünf, sollten Einsteiger einplanen, damit sich das Kapital vermehrt", sagt Kurz. In dieser Zeit sollten sie das Geld nicht benötigen.


Kapitaleinsatz: Kurz rät dazu, mit etwa 5000 Euro einzusteigen. Diese Summe lässt sich gut auf verschiedene Aktien verteilen. Wichtig ist, dass das Geld übrig ist. Das heißt, es ist kein Notgroschen für schlechte Zeiten und keine Spekulation auf Kredit.


Risiko: Einsteiger sollten das Risiko so gering wie möglich halten und das Geld auf drei bis vier verschiedene Branchen verteilen. Möglich sind da zum Beispiel Wirtschaftszweige wie Nahrung, Chemie, Maschinenbau oder Konsumgüter. "In diesen Bereichen sollten sich Einsteiger jeweils ein erfolgreiches Unternehmen raussuchen", rät Kurz. Sie sollten schauen, wer in den vergangenen Jahren gute Dividenden gezahlt hat. Große etablierte Unternehmen sind solide. "Allerdings wird hier die Rendite in der Regel nicht in den Himmel steigen", sagt Kurz. Dennoch ist die Investition in diese Unternehmen ein gutes Fundament für Einsteiger. Kleinere weniger etablierte Unternehmen können zwar ein größeres Wachstum bieten - eine solche Investition ist aber auch riskanter.


Kontrolle: Wer sein Geld einmal angelegt hat, sollte nicht ständig nachschauen, wie sich die Aktie entwickelt. "Besser ist es, das Geld erstmal in Ruhe zu lassen", rät Kurz. Natürlich sollten sich Anleger trotzdem in regelmäßigen Abständen über den Kurs der Aktie informieren. Grundsätzlich gilt aber: Panik vermeiden. "Manchmal muss man eben auch einen Verlust durchstehen." Wer auf jede Kursänderung reagiert und seine Aktien permanent verkauft, macht Verluste. "Wenn ich in ein etabliertes Unternehmen investiere und davon ausgehen kann, dass die Wirtschaft wächst, dann steigt zwangsläufig auch der Kurs", erklärt Kurz. Das passiert nur eben nicht linear, sondern in Konjunkturzyklen.


Deutsche meiden Aktien oft aus Unsicherheit
Vor allem aus Unsicherheit und infolge von Missverständnissen machen viele deutsche Anleger einer Studie zufolge einen Bogen um Aktien. "Häufig wissen die Menschen schlicht nicht, wie sich die Aktienanlage mit kleinen Anlagebeträgen, ohne großen zeitlichen Aufwand und ohne ausgeprägte wirtschaftliche Kenntnisse sinnvoll für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge nutzen lässt", sagte Christine Bortenlänger vom Deutsches Aktieninstitut (DAI) bei der Vorlage einer Umfrage in Frankfurt. Nur gut 8,4 Millionen Menschen besitzen hierzulande Aktien oder Aktienfonds: "Damit fristet die Aktie in den Depots nach wie vor ein Nischendasein."

Nach Überzeugung des DAI ist die Anlagekultur in Deutschland viel zu einseitig auf vermeintlich "risikoarmes Sparen" ausgerichtet. So werde aber ein langfristiger Vermögensaufbau verhindert - obwohl dieser für die Sicherung des Lebensstandards im Alter so wichtig sei.