New York - Sie galt als eine der wortmächtigsten Stimmen des schwarzen Amerikas und als "Grande Dame" der Bürgerrechtsbewegung: Die Schriftstellerin Maya Angelou, die mit autobiografischen Werken weltweit bekannt wurde und eng mit Martin Luther King befreundet war, ist tot.

Angelou sei am Mittwoch im Alter von 86 Jahren in ihrem Haus in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina gestorben, berichteten US-Medien unter Berufung auf ihre Agentin. Schon seit längerem war die Autorin schwach gewesen und hatte mit Herzproblemen gekämpft.

"Sie hat ein Leben als Lehrerin, Aktivistin, Künstlerin und Mensch gelebt", teilte Angelous Familie in einer Mitteilung auf ihrer Facebook-Seite mit. "Sie war eine Kämpferin für Gleichheit, Toleranz und Frieden. Wir sind sehr dankbar für die Zeit, die wir mit ihr verbringen durften, und wissen, dass sie mit Liebe auf uns herabschaut." Wenige Tage vor ihrem Tod hatte Angelou noch eine letzte Nachricht per Kurznachrichtendienst Twitter verschickt: "Höre dir selbst zu und in dieser Stille wirst du die Stimme Gottes hören."

Dabei hatte die wortgewaltige und sprachverliebte Angelou als Kind fünf Jahre lang kein Wort über die Lippen gebracht. Vergewaltigt vom Freund ihrer Mutter, der kurz danach zu Tode geprügelt wurde, glaubte sie, dass jeder sterben müsse, dessen Namen sie ausspräche. Während des Schweigens entdeckte Maya ihre Leidenschaft für Sprache, versuchte, den ganzen Körper "in ein Ohr zu verwandeln", wie sie Jahre später in ihrer ersten weltweit erfolgreichen und auch verfilmten Autobiografie "Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt" erzählt.

Einem Lehrer gelang es schließlich, die Zwölfjährige wieder zum Sprechen zu bringen. Er machte ihr klar, dass sie Lyrik erst dann richtig schätzen könne, wenn sie die Wörter selbst artikuliere. Aus dem stummen Mädchen wurde eine berühmte Schriftstellerin, Dichterin, Literaturprofessorin, Tänzerin, Schauspielerin, Regisseurin und aktive Bürgerrechtlerin.

"So sanft wie ein Nebelschleier und so gewaltig wie ein Sonnenaufgang" sei ihr Schreiben, lobte einst die "Chicago Sun-Times". Und Kollege James Baldwin schwärmte, dass Angelou "ihr eigenes Leben mit solch tiefer Verwunderung, solch strahlender Würde" angehe, dass ihm "die Worte für diese Leistung fehlen". Sie selbst beschreibt sich einmal bescheiden als "ein zu großes schwarzes Mädchen mit krausem schwarzem Haar, breiten Füßen und einer Zahnlücke, durch die ein Bleistift passen würde".

Die Themen für ihre Werke schöpfte Angelou aus ihrem eigenen Leben: Sechs Memoiren hat sie verfasst und zahlreiche Poesie-Bände. Darin geht es um ihre Kindheit zwischen St. Louis im Bundesstaat Missouri, wo sie geboren wurde, und dem kleinen Örtchen Stamps in Arkansas, wo sie eine Zeit lang inmitten der Rassentrennung bei ihrer Großmutter aufwuchs. Ständig auf der Suche, hangelt sich Angelou später von Mann zu Mann und von Job zu Job. Mit 17 bekommt sie ihren ersten Sohn, arbeitet als Kellnerin und wird zur ersten afro-amerikanischen Straßenbahnfahrerin in San Francisco.

Später tanzt und singt sie auf Bühnen und in Bars, veröffentlicht ein Album und geht als Ensemble-Mitglied für "Porgy and Bess" auf Europa- und Asientournee. Von ihrer turbulenten Zeit Ende der 1950er Jahre in New York berichtet sie in "The Heart Of A Woman". "Meine ganze Arbeit, mein Leben, es ging immer alles ums Überleben", sagt sie später. Sie setzt sich für Martin Luther Kings Bürgerrechtsbewegung ein und wird zu einer ihrer wichtigsten Stimmen. 1961 zieht es sie nach Ägypten und nach Ghana, wo sie für Zeitungen und als Musik- und Kunstprofessorin arbeitet. "Ich habe mich selbst erschaffen", sagt sie später. "Ich habe mir so viel beigebracht."

Auch der frühere US-Präsident Bill Clinton ließ sich von der wortgewaltigen Vertreterin seines Heimatstaates Arkansas beeindrucken: Angelou durfte bei seiner Amtseinführung ihre Ode "Am Puls des Morgens" vortragen - eine Ehre, die außer ihr nur einem anderen Dichter in der US-Geschichte zuteilwurde: Robert Frost bei John F. Kennedys Amtsübernahme.

Auch Angelous Gedichtbände werden zu großen Erfolgen, außerdem produziert sie für Film und Fernsehen, spielt am Broadway sowie in Fernsehserien und arbeitet als Professorin an der Universität in Winston-Salem. 2011 verleiht US-Präsident Barack Obama ihr die Friedensmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA.

Ihr Leben sei eine "Hymne an die menschliche Durchhaltefähigkeit", würdigte das "Time"-Magazin. Aber Angelou blieb dabei stets bescheiden. "Ich möchte wirklich, dass die Menschen einmal von mir sagen, dass ich es gewagt habe zu lieben."