Wien - Schon als Kind war Sigismund Schlomo Freud (1856 - 1939) davon überzeugt, einmal Großes zu bewirken. Er war der Star der zehnköpfigen Familie, brachte beste Schulnoten nach Hause, seine Mutter nannte ihn den "goldenen Siggi".

Er sollte recht behalten: Schon in den 1920er Jahren war Sigmund Freud einer der weltweit berühmtesten Wissenschaftler. Als Begründer der Psychoanalyse, aber auch als Kulturtheoretiker löste er heftige Debatten aus, die bis heute nachhallen.

Ursprünglich stammte der Sohn eines verarmten Wollhändlers aus dem kleinen Ort Friedberg in Mähren. Sein Leben und Schaffen wird jedoch stets mit Wien in Verbindung gebracht. Dort führte er seine Praxis, in der die Patienten auf der berühmten Couch ihre Geschichten erzählten. Heute sind die Wohn- und Arbeitsräume ein Museum mit jährlich 75 000 Besuchern.

"Es gab einen großen Unterschied zwischen seinem Auftritt als großer Professor Freud und dem Privatmenschen Freud", sagt die Museumsdirektorin Monika Pessler. "Er war ein Getriebener und ein unglaublich ehrgeiziger und engagierter Arbeiter. Privat hingegen war er locker, humorvoll und konnte das Leben genießen."

Es gibt allerdings auch Forscher, die das anders sehen: Eva Weissweiler schilderte Freud in einer Biografie als egozentrischen bis tyrannischen Patriarchen. In jedem Fall war der Menschen-Analytiker aber ein Hundefreund: Seine Chow-Chow Hündin Jofie war in den Therapiestunden stets mit dabei.

Im Juni 1938 emigrierte Freud aus Wien nach London. In Österreich war er als Jude nach dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland in größter Gefahr. Bereits 1933 hatten die Nationalsozialisten seine Bücher verbrannt. "Mit seiner Vertreibung ist Freud auch exemplarisch für den kulturellen Verlust Österreichs durch die Nazis", sagt Pessler. Bis zu seinem Tod am 23. September 1939 praktizierte er in seinem Haus im vornehmen Londoner Stadtteil Hampstead.