London - Die Welt erklären, viel geringer ist der Anspruch nicht, den Peter Ackroyd an sich selbst hat. Vom alten Ägypten über Rom und Athen bis zum heutigen London, von Shakespeare über Dickens bis Charlie Chaplin:

Die Sachbücher und Biografien des Briten umfassen eine riesige Spannbreite. Zusammen mit seinen knapp 20 Romanen haben sie ihn zu einem der bekanntesten zeitgenössischen Autoren auf der Insel gemacht. Am 5. Oktober wird er 65 Jahre alt - und denkt überhaupt nicht daran, mal ein bisschen langsamer zu machen.

"Ich versuche, mir für meine Leser die Welt der Vergangenheit vorzustellen", so beschreibt er der Nachrichtenagentur dpa seine Arbeit. Dabei kommt er ohne den Fachjargon der Historiker aus, der das Lesen akademischer Literatur oft ermüdend macht. "Ich interessiere mich eigentlich nicht für professionelle Geschichtsschreibung", sagt Ackroyd. Der rundliche Mann mit den schmalen Lippen und dem wachen Blick schreibt für "normale" Leser, auch ein paar Sachbücher für Kinder sind dabei. "Das hat mir richtig Spaß gemacht", sagt er.

Angefangen hat es mit einem Theaterstück über den englisch-katholischen Rebellen Guy Fawkes, da war der Junge aus London gerade mal neun Jahre alt. Das Schreiben ließ ihn nicht mehr los, Ackroyd studierte englische Literatur und verbrachte als Stipendiat Zeit an der US-Eliteuni Yale. Trotzdem blieb er durch und durch ein Londoner: Die Heimat an der Themse ist nicht nur Schauplatz seiner Romane, sie ist auch Gegenstand mehrerer seiner Sachbücher und Erklärfilme und der großen "Biografie", die Ackroyd über die Millionenmetropole geschrieben hat.

Um Themen ist der Vielschreiber - es sind schon mehr als 50 Bücher - nie verlegen. "Ich gehe von einem Projekt zum nächsten, ohne dass ich das wirklich bewusst entscheide", sagt er. "Die Entscheidung scheint von alleine zu mir zu kommen, wie eine natürliche Entwicklung." Gerade erst ist in Großbritannien sein jüngstes Buch erschienen, es erzählt vom englischen Bürgerkrieg. Dass er nun ins Rentenalter kommt, spielt für Ackroyd keine Rolle: "Ich kann nicht langsam machen, bis das Leben mich zwingt. Ich werde weitermachen, so lange ich kann."