Mainz - Sprache ist jedem Schriftsteller wichtig, aber Feridun Zaimoglu vielleicht noch ein bisschen mehr. Deswegen verteidigt er sie gegen ihre Feinde.

"Ich schreibe alles auf einer elektrischen Schreibmaschine - und Theaterstücke mit der Hand. Ich will mir die Sprache nicht versaubeuteln lassen von einem Computer", sagt der 50-Jährige, der seit Jahren in Kiel lebt, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle gar nicht technikfeindlich wirken - aber für ihn sei das der richtige Weg.

Von Freitag an ist Zaimoglu offiziell der Mainzer Stadtschreiber 2015. Die Jury des Literaturpreises, der seinem Träger 12 500 Euro einbringt, würdigte bei der Begründung Zaimoglus Sprache. Mit seiner 1995 erschienenen "Kanak Sprak" habe er der deutschen Literatur eine kraftvolle Kunstsprache geschenkt, "die den Sound türkischstämmiger Jugendlicher authentisch einfängt". Zugleich sei er ein großer Erzähler von Liebesdramen mit mal hitzigem, mal frostig-musikalischem Sprachstil.

Geboren wurde Zaimoglu 1964 im türkischen Bolu, als Kind von Gastarbeitern kam er aber schon früh nach Deutschland. Er studierte Kunst und Humanmedizin in Kiel, wo er seither lebt. "Im Laufe der Zeit ist Deutsch nicht mehr die Sprache der anderen geblieben", sagt Zaimoglu, der auch Mitglied der Ersten Deutschen Islamkonferenz war.

"Er hat sich thematisch von der Migrationsproblematik wegentwickelt. Sprachdifferenz und das Zwischensprachliche sind aber nach wie vor präsent in seinem Schaffen", sagt Dilek Dizdar, Professorin für Interkulturelle Germanistik an der Uni Mainz über Zaimoglu. Dieses Schaffen wird nun mit dem Mainzer Literaturpreis belohnt.