Frankfurt/Main - Den kleinen Taunusort Altenhain kennt schon im nahen Frankfurt kaum jemand. Doch seit Nele Neuhaus in ihrem Krimi "Schneewittchen muss sterben" in dem Dorf mehrere Mädchen hat verschwinden lassen, ist Altenhain auch in Fernost bekannt.

Mit ihren Taunus-Krimis steht Neuhaus nicht nur seit Jahren in Deutschland ganz oben auf den Bestsellerlisten. Weltweit sind ihre Schmöker in 23 Sprachen übersetzt - besonders populär ist sie in Südkorea. Doch auch im Krimi-Mutterland England ist ihr Schneewittchen-Krimi 200 000 mal verkauft worden.

Sozusagen im Zenit ihres Erfolgs wagt die 46-Jährige jetzt einen weiteren Schritt: Unter ihrem Mädchennamen Nele Löwenberg hat sie erstmals unter dem Titel "Sommer der Wahrheit" einen klassisch angelegten Roman geschrieben. Hauptfigur ist die 15-jährige Sheridan, die in einer Methodistenfamilie auf einer Farm in Nebraska im Mittleren Westen der USA aufwächst. Auch Neuhaus kennt diesen abseits gelegenen Bundesstaat nur aus zweiter Hand.

"Mich hat die Idee gereizt, wie ein Mädchen in der Abgeschiedenheit eines solchen Orts mit seinen teils noch archaischen Sitten aufwächst", sagt Neuhaus. Die junge Sheridan muss sich gegen die Familie durchsetzen - und die Männer. Trotz des hinterwäldlerischen Schauplatzes gibt es viel Sex - und auch eine ganze Menge Crime. So steckt auch im Löwenberg-Roman letztlich viel Neuhaus drin, wie die Autorin selber sagt.

Aus der Geschichte der jungen Sheridan hat Neuhaus eine Mischung aus Familien- und Entwicklungsroman gemacht. Unterhaltsam geschrieben, aber sicherlich kein Kunstwerk. "Ich habe nicht den Anspruch, Literatur zu schreiben", sagt Neuhaus offen. Sie schreibe für "Menschen wie mich, die gerne lesen und nicht die Worte auf die Goldwaage legen".

Den Kontakt mit ihren Lesern genießt die Autorin. Stundenlang kann sie Bücher signieren. Zu ihren Auftritten kommen auch in hessischen Provinzstädtchen oft mehrere hundert Menschen. Im Umgang mit ihren Fans hilft der Autorin ihre offen-freundliche Art. Neuhaus ist als Tochter eines CDU-Landrats wohlbehütet im Main-Taunus-Kreis aufgewachsen.

Doch hinter dem Erfolg der passionierten Freizeitreiterin steckt große Disziplin - und Härte gegen sich selbst. Viele Jahre hat Nele Neuhaus dafür gekämpft, dass ihre Bücher veröffentlicht werden. Neben der täglichen Arbeit in der Fleischfabrik ihres Mannes schrieb sie nebenher am Computer. Dafür hatte ihr Partner nicht allzuviel übrig, wie sie sagt.

Nach vielen Absagen brachte sie 2005 dann ihr erstes Buch in Eigenregie auf den Markt - in einer Auflage von 500 Exemplaren. Ein Jahr später waren es beim zweiten Self-Publishing-Versuch schon 1000 Bücher. 2008 wurde sie von einem deutschen Großverlag verpflichtet.

Trotz dieser literarischen Tellerwäscherkarriere ist Neuhaus, die sich 2011 nach fast 25 Jahren Ehe von ihrem Mann getrennt hat, "geerdet" geblieben. "Dafür ist mein Erfolg auch viel zu spät gekommen", sagt sie. Dennoch hat sie den Ehrgeiz, auch eine vielgelesene Romanautorin zu werden. Das neue Buch ist für sie ein Versuchsballon, wie sie sagt. "Es ist ein komplett anderes Genre und bietet mir die Möglichkeit, mich neu aufzustellen."

Sollte das Löwenbergsche Nebraska-Epos beim Leser durchfallen, wartet schon der nächste Neuhaus-Krimi mit den Taunus-Ermittlern Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. Den will die Autorin im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse ihren Fans vorstellen.

Nele Löwenberg: Sommer der Wahrheit. Ullstein Verlag Berlin, 496 Seiten, 14,99 Euro, ISBN-13 9783548285610