Köln - Warum schreibt ein mehrfacher Anwärter auf den Literaturnobelpreis seine Geschichten so einfach und gleichzeitig so verwirrend? Warum schreibt er überhaupt?

Noch bevor man mit den beiden ersten Romanen des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami (66) konfrontiert wird, erzählt er seine eigene Geschichte. Von seinen Wünschen mit Anfang zwanzig, seiner kleinen Bar, einem Baseballspiel, dem perfekt geschlagenen Ball und dem plötzlichen Gedanken und dem Drang, ein Buch schreiben zu wollen.

Die folgenden beiden Geschichten ("Wenn der Wind singt"/"Pinball 1973") um den namenlosen Erzähler und seinen Freund, den sie nur Ratte nennen, zeugen bereits von dem, was Murakami heute auszeichnet. Eine einfache Erzählweise durch eine vielschichtige Welt und Momente, die den Leser mit vielen offenen Fragen zurücklassen.

In ihrer studienfreien Zeit treffen sich der Protagonist und Ratte in einer Kneipe ihrer Heimatstadt. Stopps in ihrem Leben zwischen Studium und Selbstfindung. Der Erzähler versucht eine Schulfreundin ausfindig zu machen, die ihm irgendwann mal eine Schallplatte geliehen hatte, um sie zurückzugeben. Sie findet er nicht, doch eine kurze Beziehung zu dem Mädchen, bei dem er eine neue Platte kauft.

In "Pinball 1973" schließt sich eine neue Suche an. Nach einem Flipperautomaten, auf dem er nach wochenlangem Spielen die höchste Punktzahl erreicht hatte. Mittlerweile betreibt er mit einem ehemaligen Kommilitonen ein Übersetzungsbüro. Die Zwillinge, mit denen er zusammenlebt, tauchen plötzlich auf, ohne Vergangenheit, wie viele Figuren bei Murakami. Vielleicht wird man sie in einem seiner späteren Werke wiederfinden.

Auch Ratte wird man später noch einmal treffen, wenn man sich weiter in die Welt des Autors vorwagt. In seinen beiden ersten Geschichten ist er zwar ein Freund des Erzählers, taucht allerdings in "Pinball 1973" vollkommen unabhängig von diesem auf. Er erscheint manchmal wie eine Traumgestalt. Jemand der dank seiner Eltern genug Geld hat, um sein Studium abzubrechen, seine Heimat Richtung irgendwo zu verlassen und Schriftsteller zu werden - oder vielleicht auch etwas völlig anderes zu tun.

Diese Romane Murakamis sind erst 35 Jahre nach ihrer Veröffentlichung in Japan auf Deutsch erschienen. Und zeigen sie, dass der Japaner seinem Stil treu geblieben ist. Mit "Wenn der Wind singt" legte er den Grundstein seines heutigen Schaffens. Bereits damals regt er den Leser an, das eindimensionale Denken zu verlassen, Realität und Traum zu vermischen und zu akzeptieren, dass man kaum ganz verstehen kann, was man nicht selbst denkt und tut.

- Haruki Murakami: Wenn der Wind singt / Pinball 1973. Dumont Verlag, Köln, 268 Seiten, Euro 19,99, ISBN 978-3-8321-9782-7.