Berlin - In dem idyllischen Gunzenhausen erlebt Thomas Medicus eine Kindheit wie aus dem Bilderbuch. Erst Jahrzehnte später wird ihm klar, dass die kleine Stadt in Mittelfranken "ein großes, furchtbares, dunkles, kollektives Geheimnis geborgen hatte."

Auch seine eigene Familiengeschichte hat mit diesem dunklen Kapitel aus der Nazizeit zu tun. Medicus, zuletzt Biograf der Flugpionierin Melitta von Stauffenberg, hat sein neues Buch "Heimat" genannt, fördert darin aber ausgesprochen Bestürzendes zutage. In dem lieblichen Ort seiner Kindheit fand nämlich am Palmsonntag 1934 das erste große Judenpogrom der Nationalsozialisten statt. In einer spannenden Spurensuche stellt der Autor nicht nur Täter und Opfer vor, er geht auch Vertuschung und späterer Aufarbeitung dieses Verbrechens nach.

Und was hatte eigentlich H.D. Salinger mit dem Fall zu tun? Der berühmte amerikanische Schriftsteller lebte nach dem Krieg nicht ohne Grund einige Zeit in Gunzenhausen.

- Thomas Medicus: Heimat: Eine Suche, Rowohlt Verlag, Berlin, 288 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-87134761-0