Magdeburg l In ihrem neuen Roman "Zwischenspiel" entführt Monika Maron in einen geheimnisvollen Park. "Ich hatte Lust auf ein Buch, in dem ich mich nicht an die Realität binden muss, mehr Freiheiten im Erzählen habe", verrät sie bei ihrer Lesung am Donnerstagabend im Literaturhaus Magdeburg.

Ein fachkundiges Publikum lauscht der Prosa der mehrfach ausgezeichneten Schriftstellerin. "Flugasche" heißt ihr bekanntester Roman, der einst verboten wurde. Mit Zwischengeplänkel hält sich Monika Maron bei ihrer Lesung nicht auf. Die Ich-Erzählerin Ruth will zu einer Beerdigung fahren. Olga ist tot, die Mutter ihres Ex-Mannes, der Vater ihrer Tochter. Eine Reflektion der Ereignisse beginnt. Maron schreibt von "Erinnerungskellern", in die man hinabsteige. Denn Ruth trägt Schuld, die sie mit "tapferer Herzlosigkeit" auf sich nahm. "Schuld bleibt immer", heißt es im Roman.

Marons Text schildert viel mehr als die Rückschau auf Ereignisse. Verwoben sind Fragen und Gedanken voller Nachdenklichkeit. "Gibt es ein Leben ohne Schuld? Wäre ein anderer Weg möglich gewesen?", "Der Tod ist ein Ritter. Er lässt keinen zurück", "Wo bleiben die ganzen Ichs überhaupt, die man in seinem Leben war und denen man das letzte immerhin verdankt."

Die Romanfigur Ruth, so komisch sich das anhören mag, findet den Friedhof nicht. Statt Olgas Beerdigung erlebt sie etwas Surreales. Ihre Irrfahrt führt sie zu einer "Insel der Seligkeit". Sie findet sich in einem Park, in dem ihr bekannte verstorbene und lebende Personen begegnen - es entspinnt sich ein Selbstgespräch inmitten lebender und toter Personen.

Das Publikum lauscht gebannt - geht mit auf diese merkwürdige Tour. Nachdenklich machen die Bücher von Monika Maron. Nachdenklich macht "Zwischenspiel".