Magdeburg l Zu Hause hat Hubertus allen technischen Schnickschnack, den ein 18-Jähriger so braucht: Smartphone, Tablet, Flachbildfernseher. Bei der Arbeit hingegen hantiert er mit mehr als 50 Jahre alter Technik, die man in deutschen Kinos nur noch sehr selten findet. Der junge Mann aus Möser (Jerichower Land) ist Filmvorführer im ältesten Kinogebäude Deutschlands - allerdings nicht von Beruf. Denn im Kino Burg Theater arbeiten nur Ehrenamtliche. Es wird nämlich von einem Verein betrieben. Hubertus ist dort FSJler, sprich: Er hat sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Kultur gemeldet. "Ich kenne das Kino schon lange. Zwischen Abitur und Studium wollte er etwas zum Erhalt beitragen", erzählt er.

Die "Feuerzangenbowle" ist schon so manches Mal gerissen

An manchen Tagen sitzt der 18-Jährige nur im Büro. Aber zwei- bis dreimal in der Woche ist er der Herr der Filme. Dann stapft er vor den Vorstellungen am Nachmittag und Abend die schmalen Steinstufen hoch zum Vorführraum. Blickfang dort ist ein Metall-Konstrukt aus fünf Drehtellern in der Größe von Kutschenrädern.

Auf einem der Teller liegt schon die Filmrolle, die als Nächstes laufen soll. Hubertus Aumann schnappt sich zuerst den Anfang des Streifens und beginnt, die ersten Meter abzurollen. Er zieht ihn herüber zum Projektor und befestigt ihn. Von dort aus läuft der Streifen später durch den Projektor und wird dann zurück zum Metallkonstrukt gezogen und auf einem leeren Drehteller wieder aufgerollt.

Doch erst einmal stapft der Kinofan wieder nach unten. Denn als Filmvorführer ist er auch zuständig für den Ticketverkauf. Das Kassenhäuschen ist selbstverständlich so richtig schön alt - mit schummrig beleuchteter Preistafel und einem Holzkasten, aus dem die Karten herausgezogen werden.

Wenn alle Kinobesucher mit Tickets versorgt sind, geht er wieder hoch. Dort angekommen, ist er gleich mehrmals am Drücker - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Erst kündigt er an der alten UfA-Gong-Anlage den Vorstellungsbeginn an, anschließend knipst er das Licht aus, danach schaltet er den Projektor an. Erst dann heißt es: Film ab!

Wenn die ersten Bilder sauber über den Projektor gelaufen sind, ist Hubertus´ Arbeit im Vorführraum getan - es sei denn, der Film reißt. In solch kleinem Notfall müsste er fix hochspurten und den Projektor anhalten. "Bei der Feuerzangenbowle passiert das ab und zu. Der Film ist einfach schon sehr alt", erzählt Hubertus.

Manchmal sitzt er auch im Vorführraum, obwohl keine Vorstellung ansteht. Dann klebt er Filmstreifen aneinander. Denn jeder Film wird vom Verleih in fünf bis sechs Rollen angeliefert.

All das gelernt hat Hubertus Aumann von einem anderen Filmvorführer. "10 bis 15 Mal musste ich mindestens üben, bevor ich mich getraut habe, eine Vorstellung allein zu übernehmen", erzählt er. Insgesamt sechs Freiwillige wechseln sich im Burger Kino mit der aussterbenden Aufgabe ab. Obwohl Filmvorführer einst ein Ausbildungsberuf war, hat keiner von ihnen das Handwerk von Grund auf erlernt. "Bei uns ist alles dabei: Lehrer, Hausmeister, Arzt", sagt der Möseraner.Ab April wird das Auf- und Abrollen, Zusammenkleben und Auseinanderschneiden zur Ausnahme. Dann schafft sich das Kino einen Digitalprojektor an und die Filme kommen von der Festplatte. "Wir haben schon jetzt Schwierigkeiten, an aktuelle Filme auf Rollen zu kommen", erklärt Hubertus Aumann. Die alte Technik werde ihm sicher fehlen. "Sie ist einfach faszinierend", sagt er. Komplett darauf verzichten müssen wird er aber nicht. Denn für ein paar alte Filme hebt der Verein einen alten Projektor auf. Über den läuft dann zu Silvester auch wieder die rissanfällige "Feuerzangenbowle".

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