Magdeburg l An diesem Morgen klingelt der Wecker für Linda Hesse schon um drei Uhr früh. Für viele eine Horror-Vorstellung, doch für die 26-Jährige Schlagersängerin ist das ganz normal. "Ich liebe es, früh aufzustehen. Schlafen kann ich noch lang genug", erzählt sie gut gelaunt am Dienstagmorgen beim Radiosender SAW, wo sie ihre aktuelle Single "Knutschen... ich kann nichts dafür" vorstellt. Schließlich komme sie aus Sachsen-Anhalt - dem Land der Frühaufsteher.

Doch nicht nur das frühe Aufstehen verbindet sie mit ihrer Heimat, sondern auch deren Rückhalt: "Schon als ich vor zehn Jahren bei der Casting-Show \'StarSearch\' mitgemacht habe, standen die Menschen hinter mir."

"Helene Fischer ist eine ganz herzliche Frau, aber nicht mein Vorbild"


Den Sprung auf die großen Bühnen hatte ihr die Teilnahme damals nicht gebracht. Deshalb machte sie 2007 erst mal ihr Abitur: "Ich bin auf das Käthe-Kollwitz Gymnasium in Halberstadt gegangen. Das ist einfach eine wunderschöne Schule."

Gleich nach dem Abschluss wollte sie den Traum von der Musik weiterleben und stieg in die Girl-Group "Wir3" ein, mit der sie zwei Alben herausbrachte. Aber auch hier blieb der dauerhafte Erfolg aus. Aufgeben kam für die Sängerin dennoch nicht in Frage. Sie träumte von einer Solo-Karriere und zog dafür nach Berlin.

Dort entstanden im Zeitraum von zwei Jahren zahlreiche Songs für ihr Debüt-Album "Punktgenaue Landung", welches sofort die Top 50 der Album-Charts enterte. Ihr Erfolgsgeheimnis: Sie singt, was sie denkt. Während andere Schlager-Stars immer genau aufpassen, was sie singen, beschimpft Linda in der Single "D+B+E+A" ihren Ex-Freund schon mal als "Arschloch". Auch der "Knutsch"-Titel kommt direkt aus ihrem Leben: "Ich knutsche nun mal gern."

Von nun an eroberte sie mit jungen, frechen Texten die Schlagerwelt und gewann im vergangenen Jahr sogar die Goldene Henne in der Kategorie "Aufsteigerin des Jahres". Auch Schlager-Star Helene Fischer war von der Halberstädterin so begeistert, dass sie sie kurzerhand in der "Helene Fischer Show" auf die Bühne bat, um mit ihr den Song "Ich bin doch kein Mann" zu performen. "Wir sind mittlerweile Freundinnen geworden. Sie ist wirklich eine ganz herzliche und bodenständige Frau, sagt Linda Hesse, "aber mein Vorbild ist sie nicht", stellt sie klar.

"Am liebsten entspanne ich bei einem Spaziergang durch den Huy"


Die Halberstädterin will ihre eigene Erfolgsgeschichte schreiben: Ihre neue Single "Knutschen" läuft seit einigen Wochen im Radio und in den nächsten Monaten bei Konzerten. "Ich werde Halberstadt in dieser Zeit sehr vermissen, denn ich bin sehr heimatverbunden." Im vergangenen Jahr fuhr sie spontan mit ihrer Band in ihre alte Schule und platzte in die Lehrerkonferenz. "Sie haben sich total gefreut, und meinem Bandleiter hat die Aula so gut gefallen, dass wir uns entschieden haben noch in diesem Jahr ein Konzert dort zu geben."

Und auch wenn Hesse jetzt berufsbedingt in Berlin wohnt, bleibt sie ihrer Heimatstadt treu: "Ich versuche, so oft wie möglich her zu kommen. Ich habe ja auch noch meinen Hauptwohnsitz hier." Die Stadt werde immer einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen haben: "Sie wird immer schöner. Es haben so viele neue Cafés aufgemacht und wir haben jetzt ein Sport- und Freizeitzentrum."

Wenn Linda Hesse auf Heimatbesuch ist, entspannt sie gerne bei einem langen Spaziergang durch den Huy und schwelgt dabei in Kindheitserinnerungen. "Es gibt da eine kleine Burg, ein altes Kloster und auf einem Berg kann man bis Helmstedt rüberschauen."

An Sachsen-Anhalt liebe sie die Beständigkeit: "Das ist Fluch und Segen zugleich. Hier gibt es Ecken, Menschen und Dinge, die sich einfach nie ändern. Aber du hast so ein Gefühl, dass das eigentlich schön ist, weil du weißt, was du hast."