Von Ulrike Löhr

Magdeburg. Weltschmerz und Lebensfreude waren musikalische Gegenstände des 5. Sinfoniekonzertes dieser Spielzeit und dem ersten im neuen Jahr. Erneut stand eine Frau am Dirigentenpult der Magdeburgischen Philharmonie – Catherine Larsen-Maguire. Die gebürtige Engländerin ist eigentlich Solo-Fagottistin und als solche derzeit im Orchester der Komischen Oper Berlin verpflichtet. Hier trat sie auch als Konzert- und Operndirigentin in den letzten Jahren hervor sowie auch als Leiterin verschiedener anderer Ensembles. Im Magdeburger Opernhaus präsentierte sie sich mit deutsch-amerikanischen Klassikern.

Zu Beginn des Konzertabends erklang die "Tragische Ouvertüre" op.81 von Johannes Brahms, die Catherine Larsen-Maguire nicht mit gewaltigem Pathos anging, sondern sensibel, weich und emotional ringend. Auch die eher hart anmutenden leeren Quintschläge und punktierten Rhythmen ließ sie von den Philharmonikern breiter interpretieren, zudem ergänzt mit den gesanglichen Themenausführungen, die charakterlich in Dur und Moll changierten.

Hier arbeitete die Dirigentin sehr genau und führte sicher die Stimmen ineinander. So hatten Blech und Violinen einfach ein gutes Verhältnis, obgleich die ersten Violinen manchmal intonatorisch schwächelten. Den Holzbläsern gilt durchweg ein Kompliment für die lyrische wie bewegliche Spielweise.

Ebenso wie Brahms rang auch Franz Schubert um eine eigene sinfonische Sprache nach der kompositorischen Übermacht Beethovens. Und so ist Schuberts zweisätzige "Unvollendete", die Sinfonie Nr.7 h-Moll heute ein populärer Beleg dafür. Catherine Larsen-Maguire schien der romantischen Poetik der lyrischen Themen vor allem im ersten Satz verfallen zu sein.

Keine Frage, dass die Celli und später die Oboen und Klarinetten kongenial im schönsten Pianissimo Schuberts Melodik zelebrierte, und die Hörner und Fagotte selbstbewusst die Fortissimo-Ausbrüche in Ländler-Idylle zurückholten. Doch auch die in den Streichern angelegte Unruhe als Basis für die gewaltigen Brüche und Abgründe konnten in diesem verhaltenen Tempo dramaturgisch nicht zu den Effekten der extremen Gegensätze oder der Offenheit der musikalischen Gedanken führen.

Das Allegro moderato wirkte zu matt und bedeckt. Anders im zweiten Satz, dem Andante. Hier vermochte es die Dirigentin, die unendliche Schönheit und blechgepanzerten marschartigen Kontrastteile aufzublättern. Pizzicato-Bässe, Horn-Fagott-Akkorde, Streicherlegato, herrliche Holzbläser-Soli und Blechbläsertutti prägten schließlich ein klanglich fesselndes sinfonisches Gesicht.

Der zweite Konzertteil mit Aaron Coplands Orchesterfassung der Ballettmusik "Appalachian Spring" und Leonhard Bernsteins "Divertimento for Orchestra" war Vergnügen pur. Die Musiker der Magdeburgischen Philharmonie waren wendig genug, sich auf die amerikanischen Rhythmen einzustellen.

Charakteristisch gestalteten Dirigentin und Orchester die sich bei Copland abwechselnde verträumte Sehnsucht und farbige Folklore, Farmer- bzw. Cowboy-Lieder und Tänze aus dem östlichen Amerika der Kolonialzeit, die am Ende in jener "bittersweet Tenderness", der bittersüßen Zartheit, die Bernstein an seinem väterlichen Freund Copland so liebte, ausklangen.

Bernsteins "Divertimento" ist ein Tribut an die Vielseitigkeit, die Kluft zwischen klassischer Musik und populären Idiomen wie Jazz, Broadway oder Rock überwindend. Das achtsätzige Werk begeisterte das Publikum mit seinem unbeschwerten Humor.

Und die Musiker (inklusive sechs Schlagwerkern) überzeugten mit frechen Fanfaren in den Trompeten, einem witzigen 7/8-taktigen "Waltz", quasi mit einem Zwischenschritt. Klasse, wie die "Mazurka" als Septett der Oboen und Fagotte mit Harfe musiziert wurde oder auch die witzigen und schlagwerkgestützten Tänze "Samba" und "Turkey Trot", endend mit einem rhythmischen Schluckauf. Ein "Blues" mit zwölftoniger Melodie von Solotuba und Posaune, oder schließlich Bernsteins Hommage an das Boston Symphony Orchestra als ausgelassener Triumphmarsch mit stehenden Flötistinnen und reichlicher Ausgelassenheit des ganzen Orchesters boten Unterhaltung im Konzertsaal par excellence.