Halberstädter Domfestspiele 2014

12. Juni, 19 Uhr
Ausstellungseröffnung "Die Malerin Käthe Löwenthal und ihre Schwestern - Drei deutsch-jüdische Schicksale", Moses-Mendelssohn-Akademie, Rosenwinkel 18

13. Juni, 19.30 Uhr
Ballett "Die erste Schuld, Choreografie Jaroslaw Jurasz/Gabrielle Gilardi, im Dom

14. Juni, 18 Uhr
Oratorienkonzert, "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms, "Paramenta Magnifica" von Thomas König (Uraufführung), im Dom

15. Juni, 10 Uhr
Festgottesdienst im Dom;
18 Uhr:
Orchesterkonzert, "L`enfant prodigue" von Claude Debussy, "Orgelsinfonie" von Camille Saint-Saens, im Dom

Halberstadt l Karl der Große thront in der Mitte, Philosophen umgeben ihn. Kluge Sätze sind auf dem alten, immer noch beeindruckend farbigen Teppich zu lesen. "Diese Aussagen sind überraschend zeitlos", sagt Thomas König. Der 49-Jährige hat sich intensiv mit den Sprüchen befasst und findet, dass sie gerade in der heutigen Zeit wieder sehr aktuell seien. Zwei hat er für seine Komposition ausgewählt, die am 14. Juni ihre Uraufführung in Halberstadt erleben wird. Sie "rahmen" quasi das Werk des Magdeburger Musikers. Schließlich sollte der Chor etwas zu tun bekommen und so sind der erste und der fünfte Satz von "Paramente magnifica" Chorsätze.

Die Kantoreien Halberstadt und Wernigerode proben schon. Sie singen jeweils nur einen Satz, auf Latein natürlich: "Lange zu währen sind weder Ansehen noch Macht noch Schönheit noch Jugend imstande: In der Welt gefallen diese dennoch mehr" und "Ein Freund wird lange gesucht, kaum gefunden, noch schwieriger bewahrt".

Seit einigen Jahren schon ist Halberstadts Domkantor Claus-Erhard Heinrich im Kontakt mit Thomas König. "Er hatte die Idee, den Domschatz stärker in die Festspiele mit einzubeziehen", erinnert sich König. Der Magdeburger hatte bereits 1994 ein Stück für einen Kirchenschatz komponiert. "Das war ein abendfüllendes Werk zur Rückkkehr der Schatzstücke in die Quedlinburger Stiftskirche. Ich wollte keinen Abklatsch machen und zögerte deshalb lange", berichtet König im Volksstimme-Gespräch.

Aber dann nahm er den Auftrag doch an. Zum Ersten, weil klar war, es soll nur ein 30 Minuten dauerndes Stück werden. Zum Zweiten, weil die Kunststiftung Sachsen-Anhalt mit der Kloster Bergeschen Stiftung ein Stipendium gewährte, und zum Dritten, weil sich König auf etwas ganz Besonderes im Halberstädter Domschatz fokussieren konnte: auf die mittelalterlichen Wirkteppiche.

Musik der einstigen "Erzfeinde"

"Mit dem Abraham-Engel-Teppich, dem Christus-Apostel-Teppich und dem Karlsteppich werden hier die ältesten, fast vollständig erhaltenen Wirkteppiche der Welt bewahrt", erklärt Claudia Wyludda. Die Kunsthistorikerin arbeitet in der Domschatzverwaltung Halberstadt und bietet gemeinsam mit Thomas König zwei Stunden vor Konzertbeginn am 14. Juni eine Sonderführung zu den Teppichen an. "Die kostbaren Textilien wurden nicht nur für den Halberstädter Dom geschaffen, sie hingen seit dem 15. Jahrhundert auch im Hohen Chor. Sie waren immer umgeben von Musik, weil die Stundengebete im Hohen Chor gesungen wurden. Es ist reizvoll, dass diese Teppiche nun die Inspiration für eine Musik sind, die im Dom erklingen soll", sagt Wyludda.

Dass die Teppiche erhalten geblieben sind, sei eines der vielen Beispiele der Halberstädter Toleranzkultur, ergänzt Thomas König und fügt an, er habe sein Stück so komponiert, dass es auch für Laien verständlich sei. "Ich wollte nichts schaffen, was so komplex ist, dass man erst mehrere Wochen einen Kurs belegen muss, um die Musik zu begreifen."

Auf eine weitere besondere Verbindung weist Domkantor Claus-Erhard Heinrich hin - in diesem Jahr wird an das 1200. Sterbejahr Karls des Großen gedacht, der auch in Halberstadt eine besondere Verehrung genoss.

Dass in diesem Jahr außerdem des Beginns des Ersten Weltkrieges gedacht wird, spiegelt sich ebenfalls im Programm der Halberstädter Domfestspiele wider. So wird am 14. Juni neben Thomas Königs Neuschöpfung "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms erklingen. Einen Tag später, am 15. Juni, stehen französische Kompositionen auf dem Plan.

Das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters und das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode bieten ein selten gespieltes Frühwerk von Claude Debussy ("Der verlorene Sohn") und von Camille Saint-Saens die "Orgelsinfonie". "Mit beiden Tagen vereinen wir sozusagen Musik der einstigen Erzfeinde miteinander", sagt Johannes Rieger, Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters, zum Abschluss.

Karten für die Halberstädter Domfestspiele gibt es über die biber-ticket-hotline (03 91) 5 99 97 00