Wernigerode l Wenn für das Publikum der Abend beginnt, hat Wolfgang Elstermann den Großteil seiner Arbeit erledigt. Der 65-Jährige ist Orchesterwart beim Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode. Die korrekte Berufsbezeichnung laute allerdings Technischer Leiter, sagt Elstermann. Aber seine Aufgaben würden im Großen und Ganzen denen eines Orchesterwarts entsprechen.

Wenn Auftritte und Proben anstehen, transportiert Elstermann große und schwere Instrumente, baut die Bühnenpodien auf und stellt die Stühle der Musiker in die korrekte Reihenfolge. "Hinten die Trompeten, an den Rand die Hörner, links die Violinen - irgendwann hat man das im Kopf." Kleinere Instrumente - zum Beispiel Violinen und Flöten - würden die Musiker selbst zum Auftritt transportieren.

Anders als bei vielen Orchesterwarten gehört die Verwaltung der Notenbibliothek nicht zu Elstermanns Aufgabe. "Die Pianistin übernimmt das. Im Orchester kommt sie ja nicht so oft zum Einsatz", sagt er. Seine Aufgabe sei es dann, die Noten zu transportieren. "Man glaubt gar nicht, wie schwer diese Hefte werden können."

An diesem Tag muss Elstermann wieder viel schleppen. Das Abonnement-Konzert des Kammerorchesters steht bevor. Dafür muss die Aula des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums hergerichtet werden. Der große Raum mit der farbenfroh gestalteten Holzverkleidung dient oft als Ort für die Auftritte des Orchesters.

Über ein Konzerthaus verfügt Wernigerode nicht. Kurz zuvor haben am selben Ort noch die Hauptmann-Gymnasiasten über ihren Abiturprüfungen gebrütet. Die schwarz gepolsterten Stühle stellt Elstermann auf dem Podium für die Musiker auf, für das Publikum muss er Hunderte massive Holzstühle durch den Raum tragen. Fünf Stück auf einmal nimmt er, eine Sackkarre gewährt ein wenig Hilfe bei der Knochenarbeit. Zum Schluss rollt er die beiden Pauken neben die Bühne.

"Irgendwann gab es keine Lehrlinge mehr. Dann bin ich arbeitslos geworden."


In seinem Alter könnte der gebürtige Stapelburger in Rente gehen. Doch daran denkt er derzeit noch nicht. "Die Arbeit macht einfach Spaß", sagt Elstermann. Noch eine Weile möchte er für das Orchester arbeiten. "Hier gibt es immer ein offenes Wort", sagt er. Auch die Arbeit mit den Musikern sei für ihn eine gute Erfahrung.

Vor dem Wechsel zum Orchester war der gelernte Maurer und studierte Ökonom Ausbilder in einem Bildungswerk. "Irgendwann gab es keine Lehrlinge mehr, dann bin ich arbeitslos geworden", sagt er. Beim Orchester folgte zuerst eine einjährige ABM-Stelle, danach erhielt Wolfgang Elstermann eine reguläre Beschäftigung.

Sein erster großer Einsatz ist bereits zehn Jahre her. Damals baute er die Bühne für eine Aufführung von Albert Lortzings Oper "Zar und Zimmermann" auf. Viele Einwohner Wernigerodes hatten an der Aufführung im Rahmen der Schlossfestspiele mitgewirkt.

"Der Chef legt großen Wert auf gute Musik, da ist auch viel Schweres dabei."


Einen Nine-to-Five-Job kann ein Orchesterwart nicht erwarten. Konzerte finden üblicherweise am Abend statt, Proben wiederum tagsüber. Hinzu kommen Gastspiele und vor allem viele Wochenendeinsätze. "Die Stunden regeln wir untereinander individuell", sagt Elstermann.

Während das Orchester spielt, hat Elstermann meistens Pause. Zwischen dem Auf- und Abbau nimmt er selten im Zuschauerraum Platz. Die Zeit verbringt er lieber fern der Stühle, Pauken, Kontrabässe und Bühnenpodien, die er vorher noch geschleppt hat. Das liege aber nicht an der Musik.

"Seit ich hier bin, habe ich mich stärker mit den Werken beschäftigt. Der Chef legt großen Wert auf gute Musik, da ist allerdings auch viel Schweres dabei." Der Chef, das ist Musikdirektor Christian Fitzner, der das Kammerorchester seit 20 Jahren leitet und zu einem angesehenen Ensemble ausgebaut hat.

Elstermanns Karriere beim Philharmonischen Kammerorchester ist bislang ohne Schreckens-Erlebnisse verlaufen. Von einstürzenden Bühnen, umfallenden Kulissen und falschen Notenheften auf den Ständern kann er nicht berichten. "Noch ist nichts schief gelaufen. Gott sei Dank!"