Halberstadt (sc) l Die Domfestspiele in Halberstadt starten am Donnerstag mit einer Ausstellungseröffnung. Drei Schwestern stehen im Mittelpunkt der Exposition, die an diesem Donnerstag um 19.30 Uhr in Halberstadt eröffnet wird. In der Moses-Mendelssohn-Akademie geht es um Leben und Werk von Käthe Loewenthal und ihren Schwestern Agnes Schäfer und Susanne Ritscher.

Die drei Frauen waren Künstlerinnen und dokumentieren in ihren Biografien deutsche Geschichte. Geboren um 1880 als Töchter des renommierten Mediziners und Hygienikers Wilhelm Loewenthal, wuchsen die Mädchen in einer weltoffenen Familie auf. Ihre Eltern waren Juden, die sich von der Religion entfernt hatten.

Die 1878 geborene Käthe wurde in ihrem Schaffen stark von dem Schweizer Maler Ferdinand Hodler geprägt. Sie studierte von 1910 bis 1914 in Stuttgart, konnte aber bereits ab 1905 von ihrem künstlerischen Schaffen leben. Vor allem Porträts sicherten ihr Einnahmen, ihren künstlerischen Fokus aber legte sie auf Landschaftsbilder. Vor allem Hiddensee und das Berner Oberland lieferten ihr Motive. 1935 erhielt sie absolutes Malverbot. Trotz aller Warnungen kehrte sie 1935 aus der Schweiz nach Stuttgart zurück, um ihre todkranke Freundin Erna Raabe Freiin zu Holzhausen zu pflegen. 1942 wurde Käthe Loewenthal in das Vernichtungslager Izbica bei Lublin deportiert und ermordet.

Ihre 1882 geborene Schwester Agnes heiratete 1905 in Sydney den Bremer Kaufmann Walter Schaefer. Ab 1909 lebte Agnes in Hellerau bei Dresden, wo sie im Atelier einer befreundeten Fotografin selbst zu fotografieren begann und erste Arbeiten veröffentlichte. 1920 folgte eine professionelle Ausbildung am Letthaus Berlin. 1923 wanderte sie nach Griechenland aus, um als Sprachlehrerin ihre in Deutschland lebenden Kinder zur Zeit der Inflation unterstützen zu können. Im Herbst 1933 kehrte sie von einer Bergtour nicht zurück.

Susanne Loewenthal, geboren 1886, studierte von 1906 bis 1909 und konnte sich ebenfalls früh vom Verkauf ihrer Bilder ernähren. 1912 kaufte sie ein Haus an der Ostsee und war in den Künstlerkreis dort integriert. Ihr Mann Alfred Ritscher ließ sich 1934 wegen der jüdischen Herkunft seiner Frau scheiden. Von da an war Susanne Ritscher, die seit 1927 mit ihren Kindern bei Berlin lebte, der Verfolgung ausgesetzt. Nach einem vorgetäuschten Selbstmord wurde sie von Freunden in Stuttgart und München versteckt. Im Februar 1945 wurde sie verhaftet und bei München inhaftiert. 1950 begann sie wieder zu malen. Sie starb 1989.

 

Bilder