Magdeburg l Abschied von einer Stadt, mit der er im regen kreativen Austausch stand. Künstlerisch konnte er sich hier fünf Jahre verwirklichen, konnte seine Vorstellungen von einem modernen Schauspiel in einem Stadttheater umsetzen und hatte dafür "alle Freiheiten", wie er sagt. "Das war natürlich ein Traum", beschreibt der studierte Regisseur seine Startsituation in Magdeburg.

Unter der Ägide von Tobias Wellemeyer kam er vor sieben Jahren als Freiberufler nach Magdeburg, war Gast der Stadt und konnte sich so von den Vorteilen Magdeburgs überzeugen lassen. Die Stadt bot damals schon kreative Impulse, die bei Jochymski Eindruck hinterließen. Als dann vor fünf Jahren das Angebot kam, Chef des Schauspiels zu werden, musste er nicht lange überlegen.

"Komisch war nur auf einmal für alles verantwortlich zu sein. Das war eine Herausforderung, gleichzeitig aber auch eine Chance für mich. Also habe ich diese Aufgabe gerne angenommen", erklärt er beim Gespräch in einem Stadtfelder Café. In jedem Blick zurück auf eine gute Zeit schwingt auch etwas Melancholie mit. Der Stolz auf das Erreichte aber überwiegt. "Ich und mein Team durften dem Magdeburger Publikum Klassiker, Gegenwartsdramatik, Komödien und Märchen präsentieren. Inszeniert von ganz unterschiedlichen Regisseuren, die alle ihre eigenen Handschriften haben, gespielt von einem Team hoch motivierter Schauspieler und Theaterleute. Das war spannend und auch ein wenig schrill."

Dass diese Abwechslung nicht zur Beliebigkeit und zum Zuschauerzahlen haschenden Mainstream-Einerlei verkam, war eine der Leistungen des scheidenden Schauspieldirektors und seiner Kollegen. Allen voran des Chefdramaturgen Stefan Schnabel, der Jochymski als künstlerischer Ideengeber in Sachen Stückauswahl und Autorenfindung ein großartiger Partner war.

Doch warum gehen, wenn es gerade so gut läuft? "Es war eine Etappe in meinem Leben, und die habe ich erfolgreich genommen. Mein Wechsel ist ein Wechsel für meine Biografie, nicht für eine Karriere. Ich möchte nach fünf Jahren an einem festen Haus einfach was Neues machen", erklärt der Theatermacher. Er liebt die Spannung, das Risiko, will nicht träge werden, erläutert er die Gründe für seinen Schritt zurück in die Selbstständigkeit. Das passt in sein Lebenskonzept, in der die künstlerische Freiheit über allem steht.

Angst vor der Zukunft hat er nicht. "Es gibt genug zu tun. Ich freu mich drauf, und außerdem war ich ja lange genug als freier Regisseur tätig. Ich weiß also, worauf ich mich einlasse." Sein Weggang nach Leipzig ist für Jochymski auch wie ein Stück nach Hause kommen, denn es ist seine alte Heimatstadt, "eine Stadt mit viel kreativem Input für mich".

Doch bevor die Möbelpacker vor der Tür stehen, wird es noch mal knallig, bunt und schrill - beim Abschiedsfest "Dernière" am Sonnabend ab 20 Uhr. Mit dabei ist unter anderen die Band Mixtape, die in ihrem trashig, humorvoll rockenden Sound den letzten Walzer für Jochymski spielen wird.