Volker Schlöndorff
Volker Schlöndorff, geboren am 31. März 1939 in Wiesbaden, gehört zu den wichtigen Vertretern des Neuen Deutschen Films.
Für seine Kinoversion des Grass-Romans "Die Blechtrommel" erhielt er 1979 eine Goldene Palme, 1980 einen Oscar.
Von 1992 bis 1997 war er Geschäftsführer des Studios Babelsberg in Potsdam.
Zuletzt erschien sein Film "Das Meer am Morgen" (2012).

Was hat Sie an der Geschichte gereizt?
Volker Schlöndorff: Eigentlich wollte ich nie wieder einen Film über den Zweiten Weltkrieg und die Nazis machen. Und das ist jetzt auch wieder so. Ich habe einfach - angefangen von "Der junge Törless" bis zum "Meer am Morgen" - sehr viele Filme über dieses Thema gemacht, immer auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: Wie war das möglich? Aber dann kam das Angebot mit "Diplomatie", und das war einfach zu aufregend, um es abzulehnen. Paris ist ja die Stadt, wo ich aufgewachsen bin, wo ich zur Schule gegangen bin und wo ich immer noch sehr viel Zeit verbringe. Deshalb war klar: Es ging um eine Herzensangelegenheit, da konnte ich nicht Nein sagen.

Wie haben Sie Ihre Schauspieler gefunden?
Die beiden hatten das Stück von Cyril Gély schon sehr erfolgreich in Paris am Theater gespielt. Den einen kannte ich - André Desoullier. Einen besseren und humaneren Diplomaten kann man sich nicht vorstellen. Und Niels Arestrup hatte ich gerade in "Der Prophet" gesehen. Er spielt da einen Mafiaboss im Knast, also eine andere Art von General, und ich hatte regelrecht Angst vor ihm im Kino - vor der Unberechenbarkeit dieses Typen, den er verkörpert. Das ist ein Schauspieler, der einem Angst machen kann, und davon gibt`s ja nicht so viele.

Warum kein Deutscher als Nazi-General?
Ein deutscher Schauspieler wird immer mit dem Kopf spielen: Achtung, ich spiele einen deutschen General, wie wird die Außenwirkung sein? Ein französischer Schauspieler ist da hemmungslos. Es interessiert ihn nicht, wie er wirkt. Er sucht im Gegenteil immer wieder nach Argumenten, um seinen General noch unsympathischer und härter zu machen - ohne Rücksicht darauf, dass Deutschland damit den Schwarzen Peter zugeschoben bekommt. Bei der Figur geht es um einen, der ansonsten skrupellos jeden Befehl ausgeführt hat. Und wenn am Schluss das Gute von einem Bösen bewirkt wird, ist das natürlich viel spannender. (dpa)