Halle (dpa) l Mit der Varus-Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 nach Christus war die Expansion des Römischen Reiches auf germanischem Territorium noch nicht beendet. Auch danach drangen immer wieder Legionen in das Gebiet vor. Zugleich gab es auch regen Handel zwischen Römern und Germanen. Dazu gehören hauptsächlich römischer Schmuck aus Gold, Glas oder Bronze sowie Gebrauchs- und Haushaltsgegenstände.

"Die Funde aus römischer Produktion aus den Grabungen der letzten einhundert Jahre belegen den enormen kulturellen Einfluss des Römischen Kaiserreiches auf das freie Germanien", sagt Archäologe Harald Meller. Etwa 200 Funde werden ab dem 19. Februar 2015 die Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle erweitern.

Das Ganze wird in einem Raum von mehr als 100 Quadratmetern präsentiert. Um die Besucher szenisch auf diese geschichtliche Epoche einzustimmen, ist die Schau in einer nachgebildeten römischen Schreibstube installiert. "Das soll auch den großen Wert der Schriftsprache der Römer für unser heutiges Wissen symbolisieren", sagt Meller.

Denn obwohl viele Germanen römische Sitten und Gebräuche übernahmen: Die Schrift blieb allein den Römern vorbehalten. Das ist umso verwunderlicher, weil viele Germanen der Oberschicht im Römischen Reich ausgebildet wurden und mit großer Sicherheit lesen und schreiben konnten. Dennoch hinterließen die Germanen in diesem Zeitraum des 1. und 2. Jahrhunderts kein einziges geschriebenes Wort. "Wenn schriftliche Aufzeichnungen fehlen, sind archäologische Funde das Einzige, das Licht in das Dunkel der Geschichte bringen kann", sagt Meller. "Zusammen mit den Aufzeichnungen der Römer ergibt sich für die Besucher der Ausstellung ein authentischer Einblick in die damalige Gesellschaft im freien Germanien."

Unter den Ausstellungsstücken ist zum Beispiel ein braunes Fläschchen aus dem Stein Achat. Es wurde in Kleinjena (Burgenlandkreis) gefunden. Benutzt wurde es wohl, um darin Öl oder Parfüm aufzubewahren. Durch den Handel muss das Fläschchen in den Besitz eines reichen Germanen gelangt sein.

Auch der Goldschatz einer Frau aus einem Urnengrab ist mit dabei. "Die Forschungen ergaben, dass die Frau zum Stamm der Quaden im Donaugebiet gehörte", erklärt Archäologe Arnold Muhl. Für Meller zeigt der Schatz zudem, welcher Einfluss den Römern auch für ein Leben nach dem Tod zugesprochen wurde: "Die Grabbeigaben bedeuten, dass die germanischen Herrscher römische Statussymbole derart für wichtig und wertvoll hielten, dass sie diese Objekte auch ihren Toten für die Reise ins Jenseits mitgaben."

 

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