Magdeburg l In tschechischer Sprache (mit deutschen Übertiteln) bringt die Magdeburger Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz die am 28. März 1884 im Prager Nationaltheater uraufgeführte, in Deutschland eher unbekannte Oper auf die Magdeburger Bühne.

Otakar Hostinskýs Libretto liegt die gleichnamige Tragödie Friedrich Schillers zugrunde. Stringent wird hier die romantische und gleichsam ungemein dramatisch-tragische Handlung mit erlebbar gemacht.

Cornelia Crombholz gelingt es, die besondere Sprachmelodie des tschechischen Originaltextes mit der Musik in wirkungsvollen Einklang zu bringen. Für "Die Braut von Messina" hat sich der als bedeutendster tschechischer Opernkomponist der Romantik geltende Fibich von seiner slawischen Heimat, aber auch von Wagner beeinflussen lassen.

Die Musik, in einer weitgespannten Palette zwischen reizvoll schönen lyrischen Sequenzen bis zu furios kraftvoll - und teils sehr laut - daherkommenden bläserdominanten Passagen, war bei der Magdeburgischen Philharmonie unter Kimbo Ishii in engagiert agierenden Händen.

Eine Frage bleibt am Ende offen
Die einzelnen Handlungsstränge spielen sich in und auf, vor und hinter einem die Bühne ausfüllenden drehbaren schlichten, scheinbar nicht ganz fertiggewordenen Raumkonstrukt mit vielen Fenstern und Türen, vorhangbestückten Durchgängen und einer Balustrade für Auf- und Abgänge ab. Fast nicht durch weitere Dekorationselemente abgelenkt, wird so der Blick auf das Verfolgen des Geschehens und das Erschließen von dessen Hintergründen gerichtet (Bühne Marcel Keller) - so man sich darauf einlassen möchte.

Wenn, dann erfährt der Gast die Geschichte der Witwe Isabella, die sich verzweifelt um den furchtbaren Machtstreit ihrer Söhne Manuel und Cesar und dadurch auch die Zukunft des Fürstentums sorgt.

Der Zuschauer kennt das gehütete Geheimnis der Fürstin um die heimlich in einem Kloster aufgezogene Tochter Beatrice, die Schwester der Söhne. Beatrice ist durch symbolhafte Träume des Vaters eigentlich dem Tode geweiht. Nach einem Traum der Mutter wird sie jedoch gerettet. Mit der visionären Traumdarstellung der Mutter griff die Regisseurin jedoch mächtig tief in die romantische "Darstellungskiste".

Die beiden Söhne verlieben sich durch verschiedene schicksalshafte Zufälle in Beatrice, ohne sie als Schwester zu kennen. Die Tragödie spitzt sich zu: Manuel und Cesar sterben. Die beiden Frauen blicken einer ungewissen Zeit entgegen. Lediglich ein kleiner Kinderreigen verheißt eine mögliche Zukunft. Die Frage nach der Schuld bleibt offen.

In Gesang und Spiel vermitteln die Protagonisten, durch eine stimmige Rollenführung der Regisseurin ermöglicht, glaubhaft die dargestellten Charaktere und insbesondere deren innere Veränderungen und Entwicklungen.

Die auf die Gefolgschaft der beiden Brüder aufgeteilten (Teil)-Chöre (Leitung: Martin Wagner) stellen nicht nur die "rauen" Gesellen dar, sondern agieren durchaus handlungsbestimmend, so zum Beispiel, als sie die Versöhnung ihrer beider Anführer lautstark und nachhaltig einfordern.

Hoffend und zweifelnd, mit dem Schicksal hadernd, eine liebevolle Mutter durch und durch - dieser Rolle gibt Lucia Cervoni eine sehr emotional einprägsame Ausstrahlung.

Deutungen zu Ort und Zeit
Mit Thomas Florio (Manuel) und Richard Samek (Cesar) stehen sich stimmstarke Sänger und spielintensive Darsteller auf Augenhöhe gegenüber. Noa Danon ist die lange versteckt gehaltene und sorgsam behütete Tochter Beatrice und überzeugend in deren gefühlsträchtiger "Überrumpelung" vom aktuellen Geschehen.

Die Aktualität solcher brutaler Machtrivalitäten weltweit steht außer Frage - wie auch eingespielte Häuserkampf-Szenen deutlich machen. Konkret auf Ort und Zeit festgelegt hat sich Cornelia Crombholz wohl bewusst nicht, obwohl Uniformen und Waffen Deutungen zulassen.

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