München (dpa) l Ein junger Mann beim Baden am Bodensee. Er lacht mit Freunden, spielt Gitarre und macht den Frauen schöne Augen. Es ist der Sommer 1932. Wenige Monate, bevor Adolf Hitler in Deutschland die Macht ergreifen sollte.

Der charmante Mann ist der Schreiner Georg Elser, der nach seiner Lehre auf Wanderschaft ist und das Leben genießt - noch. Denn der aufziehende Nationalsozialismus beunruhigt ihn so sehr, dass er bald einen lebensgefährlichen Plan schmiedet: Er will Hitler ermorden, die Gefahr des Krieges bannen und Deutschland von der brutalen Macht der Nazis befreien.

Der Regisseur Oliver Hirschbiegel hat dem mutigen Handwerker aus dem schwäbischen Hermaringen nun ein filmisches Denkmal gesetzt mit dem Kinodrama "Elser - Er hätte die Welt verändert".

Das Attentat ist dabei Rahmenhandlung und Kernstück zugleich. Der Film nach dem Drehbuch von Fred Breinersdorfer und seiner Tochter Léonie-Claire beginnt im Münchner Bürgerbräukeller. Mit blutigen, zittrigen Händen versucht Elser, mitten in der Nacht seine Bombe mit Zeitzünder in einer Säule hinter dem Rednerpult zu platzieren, wo Hitler zwei Tage später zu den Menschen im Saal sprechen soll. Doch der Plan geht nicht auf. Während Elser am Abend des 8. November 1939 aus der Ferne ständig seine Uhr kontrolliert und auf die Nachricht vom Tod des Führers wartet, verlassen der Diktator und seine hochrangigen Begleiter den Saal - 13 Minuten zu früh. Das Attentat missglückt und Elser wird bald darauf an der Grenze zur Schweiz festgenommen. Sein Schicksal ist besiegelt: Verhöre, Folter, grausame Psychospiele und schließlich der Tod.

Hirschbiegel ging es um die Persönlichkeit des Menschen, der in diesen politisch gefährlichen Zeiten den Mut zu so einer Tat aufbrachte und sie tatsächlich auch völlig allein durchzog. Er wollte zeigen, wie die nationalsozialistische Ideologie schleichend Einzug in den Alltag hielt und wie aufmerksam und weitsichtig Elser diese Veränderungen in der Gesellschaft wahrnahm und einordnete. Und wie die Nazis den Widerstandskämpfer als wahnhaften, psychisch kranken Kollaborateur der Amerikaner und Engländer darstellten, bevor sie ihn wenige Wochen vor Kriegsende am 9. April 1945 im Dachauer Konzentrationslager ermordeten.

So werden die nüchternen und schonungslosen Verhörszenen im Berliner Reichssicherheitshauptamt immer wieder für Rückblenden unterbrochen: Elser als fröhlicher junger Mann beim Baden, bei der Rückkehr zu seinen Eltern, wo sein Vater Haus und Hof versäuft, und beim Tanzen, wo er sich in Elsa (Katharina Schüttler) verliebt, die von ihrem Ehemann brutal misshandelt wird.

Währenddessen werden die Nazis immer unverschämter, ihre Übergriffe immer perfider. Elser ist zutiefst besorgt. Er will Hitler töten. Ein Jahr lang tüftelt und bastelt er an einer Bombe von ungeheurer Präzision und behält sein lebensgefährliches Geheimnis für sich, um seine Liebsten nicht zu gefährden.

Christian Friedel ("Das weiße Band") verleiht Elser eine Mischung aus Leichtigkeit, Nachdenklichkeit und Trotz. Anders als früher in vielen Geschichtsbüchern dargestellt spielt er ihn aber nicht als verrückten Tüftler, der sich in einen Wahn hineinsteigert, so wie es die Nazis gerne darstellen wollten. Sein Elser strahlt trotz aller Nervosität eine beeindruckende Ruhe aus, die klar macht, dass Elser genau wusste, was er tat, und stets Herr seiner Sinne war.

Besonders grausam sind die Verhörszenen mit Burghart Klaußner als undurchsichtigem Kripo-Chef Arthur Nebe und Johann von Bülow als Gestapo-Chef Heinrich Müller. Hirschbiegel erspart den Zuschauern diese Grausamkeiten nicht.

Dass Elser nach seinem Tod so lange nicht als Widerstandskämpfer anerkannt wurde, war für Hirschbiegel ein Grund mehr, dessen Leben zu verfilmen. "Dass so ein kleiner Handwerker aus dem Schwabenland als einziger erkennt, was in Deutschland passiert, und etwas dagegen unternimmt - das ist beschämend", kommentiert der Regisseur. "Das weckt natürlich den Reflex, diese Geschichte unter den Tisch zu kehren. Höchste Zeit also, sie auf die große Leinwand zu bringen!"