Magdeburg l Wenn man mit Stefan Müller über Bücher plaudern will, dann am besten in seinem Wohnzimmer. Bis unter die Decke reichen die Regale, wohlgeordnet die Bücher. Bei Müller gibt es kein Einfach-nur-Reinstellen. Er sortiert nach Größe. Ja, er gibt es zu, das sei ein Spleen. Vor allem ein aufwändiger, weil die Bibliothek damit immer neu geordnet werden müsse.

Müller gehört zu jenen Lesefreunden, die nicht an einem Buchladen vorbeikommen. Stöbern und schauen und natürlich auch kaufen. Jede Woche ist ein Buch fällig - obwohl anderthalb Meter Romane zwar schon im Besitz, aber noch nicht gelesen sind. Buchkauf als Glücksmoment. "Bibliophilie ist keine Krankheit", sagt Müller. "Lesen ist das schönste Hobby der Welt. Man wird unterhalten, erlebt fremde Welten, lernt immer hinzu und schult seine Vorstellungskraft."

"111 Gründe, Bücher zu lieben" ist seine Liebeserklärung an das Lesen. Er schreibt über Lesezeichen, die Buchmesse, das Tabu, Bücher zu verborgen, über Lachkrämpfe und Taschentuchalarm und natürlich über Dauerbrenner wie Robinson Crusoe, Shakespeare, Jules Verne und die Brüder Grimm, über Riesenwälzer wie Dostojewskis "Schuld und Sühne" und die Romanreihe um Harry Potter. In Müllers Buch sind die großen Literaten vertreten wie auch die Verkaufsbestseller mit Hintergründen und Anekdötchen: Siegfried Lenz, Erich Kästner, Thomas Mann neben "Shades of Grey" und "Twilight".

"Ich wehre mich gegen nichts", sagt der 35-Jährige. "Ich mag kein Schubladendenken." Und doch sieht man beim genauen Blick ins Bücherregal seine Vorliebe: Sándor Márai, Anne Tyler, Georg Hermann, Mario Vargas Llosa, Christa Wolf, Brigitte Reimann. Seine Leidenschaft aber gilt den Autoren der Weimarer Republik - studienbedingt. Müller, der schon als Kind und Jugendlicher in Büchern versinken konnte, hat in Magdeburg Germanistik und Anglistik studiert. Heute ist er promovierter Literaturwissenschaftler, arbeitet im Landtag von Sachsen-Anhalt. Seit Jahren schreibt er Romane und Erzählungen. Sein Jugendroman "Tibor und ich" wurde von "Schwarzkopf Schwarzkopf" verlegt. Der Verlag hatte ihn dann angefragt für die "111 Gründe"-Reihe. Die Bücher fehlten noch. Wolle er nicht? Er wollte.

Für sein Buch hat er eine Unbedingt-lesen-Liste erstellt. Sonst empfiehlt Müller nicht gern. Jeder habe seinen Geschmack. Da seien Bücher so schwer zu empfehlen wie Ferienhotels an einem Strand. Wie sich also am besten durchfinden im Dschungel der 80000 jährlichen Neuerscheinungen? "Im Buchladen nicht dort stehen bleiben, wo alle Cover gleich aussehen und die Titel sich ähneln. Einfach inspirieren lassen und auf die Beratung der Buchhändlerin vertrauen."

Stefan Müller: "111 Gründe, Bücher zu lieben", Schwarzkopf Schwarzkopf Verlag, 280 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-86265-001-9

Lesungen in Magdeburg: 26. April, 19 Uhr, Kulturzentrum Moritzhof; 29. April, 18 Uhr, Literaturhaus.