Berlin (dpa) l Verbrannt im Bombenhagel, gefallen an der Front oder ermordet in Konzentrationslagern - Dutzende Millionen Menschen kamen im Zweiten Weltkrieg um. Bis kurz vor der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 führte Adolf Hitler sein Volk unbeirrt weiter in den Abgrund. Die Alliierten mussten den Sieg über die Terrorherrschaft der Nazis schwer erkämpfen. 70 Jahre nach Kriegsende begibt sich Vox auf eine Reise durch Deutschland nach dem Krieg. Am 25. April (12.00 bis 24.00 Uhr) läuft das zwölfstündige Doku-Event "1945 - 12 Städte, 12 Schicksale".

Der von "Stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka moderierte Dokumentations-Marathon zeigt Filmaufnahmen eines US-Kamerateams. Von März bis Juli 1945 reisten die Filmer durch Gebiete des von den Nationalsozialisten befreiten Deutschlands und seiner Nachbarn. Sie wollten den Vormarsch der Alliierten und die Reaktionen der Deutschen auf den Niedergang des Dritten Reiches festhalten. Köln, Nürnberg, Augsburg, Amsterdam oder Pilsen sind nur einige der Städte, in denen das Filmteam unterwegs war.

Die Amerikaner filmten Alltagsszenen, Menschen in den Trümmern ihrer Heimat, Kinder als Kanonenfutter im hoffnungslosen Kampfeinsatz, vertriebene Menschen auf der Flucht. Der Krieg ist verloren, doch nicht überall verstehen die Leute das so schnell. "Es sind genau die Wochen, in denen Sieg und Niederlage, Tod und Verzweiflung, Befreiung und Zusammenbruch unwirklich nahe beieinander liegen", heißt es bei Vox. Die Videos sind seltene Farbaufnahmen. Überarbeitung und Farbgebung machen die gezeigten Leidensgeschichten realistischer. Emotionale Musik und schnelle Bildfolgen erhöhen die Dramatik.

Neben den Originalaufnahmen berichten Zeitzeugen in Interviews, wie sie Nazi-Deutschland erlebt und überlebt haben. Sie erzählen von Erleichterung und Hoffnung, aber auch von riskanter Flucht und politischer Ratlosigkeit. "Durch das Radio haben wir dann erfahren, dass der Hitler an der Front gefallen wäre. Meine Tante, meine Oma haben geweint", berichtet eine Zeitzeugin sichtlich bewegt. "Wir waren wie verlassene Kinder auf einmal, als wenn wir keinen Papa und keine Mama mehr hätten."

Auch prominente Zeitzeugen kommen zu Wort. So erzählt Schauspieler Hardy Krüger von seinen persönlichen Erlebnissen im Kampfeinsatz als Kindersoldat - vom Gefühl, als Teenager einen anderen Menschen zu erschießen. Schauspielerin Ingrid van Bergen berichtet, wie sie als Jungmädel im Alter von 13 Jahren von einem Soldaten vergewaltigt wurde. Deutschlands ehemaliger Außenminister Hans-Dietrich Genscher schildert, wie er nach dem Krieg als junger Soldat vor der Roten Armee floh und nur mit viel Glück überlebte.

Auch Schauspieler Mario Adorf und Literaturkritiker Hellmuth Karasek erzählen von "ihrem" Kriegsende. Der 81 Jahre alte Karasek wurde als Jugendlicher in einer "Nationalpolitischen Anstalt", in der Hitler die junge politische Elite heranzog, ausgebildet. Im Interview erinnert sich der Literaturkritiker, dass dort großer Druck ausgeübt wurde, mit dem nicht jeder umgehen konnte: "Es gab unendlich viele Bettnässer! Das waren Angstbettnässer", erzählt Karasek. "Sie haben Stockhiebe vor versammelter Mannschaft bekommen."

Die Idee von Vox, einen ganzen Tag lang eine Dokumentation zu senden, ist nicht neu. Der Sender hat bereits zu Hitlers Todestag und den Anschlägen am 11. September 2001 auf solche Doku-Events gesetzt.

   

Bilder