Los Angeles l Orson Welles wäre am 6. Mai 2015 100 Jahre alt geworden. In Erinnerung geblieben ist Welles vor allem mit "Citizen Kane" (1941). Der Schwarz-Weiß-Streifen gilt heute unter Experten als bester Film aller Zeiten. Gleichzeitig markiert er den Wendepunkt im Leben von Orson Welles - nämlich den Fall vom gefeierten Genie zum Buhmann von Hollywood.

Mit dem Radio-Hörspiel "Krieg der Welten" schaffte er 1938 seinen Durchbruch. Die fiktive Live-Reportage über eine Invasion von Außerirdischen führte angeblich sogar zu einer Massenpanik. Hollywood wurde auf den 23-Jährigen aufmerksam. Er wurde mit Angeboten überhäuft. "Jeder würde sich so einen Vertrag wünschen", so Welles später. "Regisseur, Produzent, Autor und Schauspieler in einer Person."

Mit Inbrunst stürzte er sich in das Projekt "Citizen Kane" - über den Aufstieg und Niedergang eines Mannes, der fast alles hat und wieder verliert. Die Figur glich in vielen Zügen dem Zeitungsverleger William Randolph Hearst. Der verhinderte daraufhin, dass die großen Kinoketten den Film ins Programm nahmen. Der Skandal sorgte für ein schnelles Ende von Welles Karriere in Hollywood. Um eigene Filmprojekte zu finanzieren, war er später gezwungen, auch Rollen in minderwertigen Filmen anzunehmen.

Viele Projekte blieben unvollendet. Ein Meisterwerk wie "Citizen Kane" gelang ihm nie wieder. Am 10. Oktober 1985 starb Welles - der Zeichner, Magier, Stierkämpfer, Schauspieler und Regisseur - ein Multitalent.