Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Die Johannespassion ist eine von nur zwei authentisch nachgewiesenen und erhaltenen Passionsmusiken Johann Sebastian Bachs. Sie entstand 1724, wurde von Bach mehrfach überarbeitet und wieder revidiert, wohl immer entsprechend den Gegebenheiten der jeweiligen Aufführungen. Am Karfreitag brachte der Magdeburger Domchor unter der Leitung von Barry Jordan mit der Cammermusik Potsdam und fünf Solisten das Werk im Remter des Magdeburger Domes in der nach der jüngsten Bachforschung erarbeiteten Mischfassung zur Aufführung.

Das Besondere dieser Aufführung aber bestand vor allem in der musikalisch-künstlerischen Gesamtanlage, in der das Werk erklang. Mit der Cammermusik Potsdam wurde ein Ensemble verpflichtet, das auf Nachbauten historischer Instrumente spielt und dadurch eine ganz besondere Farbigkeit des Klanges schafft. Dabei geht es nicht nur um Barockviolinen oder -flöten. Wie zu Zeiten Johann Sebastian Bachs spielten die Musiker auch auf der sehr selten zu hörenden Viola d\'amore, Gamben und Laute waren zu hören und als eines der Continuoinstrumente ein historisches Kontrafagott mit einem ganz besonders warmen Basston.

Der lebendig-farbige, immer dem Passionsbericht ganz genau verpflichtete emotionale Ausdruck wurde aber vor allem durch die gesangliche und dynamische Gestaltung erreicht.

Im Johannesevangelium wird die Passionsgeschichte vor allem im Lichte der Erfüllung des Gotteswortes berichtet, und so beginnt das Werk auch mit einem Lobpreisungschor "Herr, unser Herrscher, dessen Ruhm in allen Landen herrlich ist".

Der Domchor sang wunderbar beweglich, klangschön und ausdrucksstark. Barry Jordan hat differenzierte, vor allem aber schön frische Tempi gewählt, wodurch vor allem die wunderschönen Choräle zum musikalisch-emotionalen Erlebnis wurden, jeder genau seiner Stelle im Passionsbericht entsprechend, etwa tiefe Reue nach der Verleugnung des Petrus "Petrus, der nicht denkt zurück" oder der Choral "Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn", in dem die christliche Erlösungshoffnung ausgedrückt wird.

Ausgezeichnet auch, wie der leichte, niemals zu mächtige Chorklang mit dem Orchester harmonierte.

Unter den Solisten hat der Evangelist/Tenor die größten Aufgaben. In dieser Partie war Peter Diebschlag zu erleben, und er hat diese Aufgabe überragend gemeistert. Die vielen zum Teil sehr langen Rezitative sang er nicht nur ausgezeichnet textverständlich und deklamatorisch, sondern auch in jedem Moment mit klangvoller Stimme, leuchtend, fast schwebend in den Höhen, wandelbar, beweglich. Er sang auch die Tenorarien souverän, mit genau durchdachten und technisch ausgezeichneten Verzierungen. Der Magdeburger Tenor erwies sich als Barockinterpret erster Güte.

Dirk Schmidt sang den Jesus mit wahrlich königlichem Bass. Für die Bass-Arien war der Dresdner Jörg Hempel verpflichtet, dessen leichtere Stimme nicht nur sehr schön klingt, sondern der auch stilistisch überzeugte. Ulrike Staude faszinierte vor allem mit der zweiten Sopranarie "Zerfließe, mein Herze", ebenso wie die Altistin Cornelia Diebschlag mit der hochemotionalen Arie "Es ist vollbracht".

Mit dem großen Schlusschor "Nun ruhet wohl" und dem abschließenden Choral "Ach Herr, lass dein lieb Engelein" krönte der Domchor eine wahrlich ergreifende wunderbare Passionsmusik.