Leipzig (epd). Das Grassi-Museum für Angewandte Kunst in Leipzig lässt seine im Krieg zerstörten Bauhaus-Fenster wieder entstehen. Die sieben Meter hohen Arbeiten des Künstlers Josef Albers (1888-1976) sollen bis September dieses Jahres in das Treppenhaus des Art-Deco-Gebäudes eingesetzt werden.

Die insgesamt 18 Fenster, die an riesige Thermometerskalen erinnern, sind die größte Flachglasarbeit eines Künstlers der Dessauer Bauhauszeit. Sie wurden 1927 anlässlich der Ausstellung "Europäisches Kunstgewerbe" eingesetzt. Die damals in Leipzig gezeigte Schau gilt als erste große Präsentation im Bereich der Angewandten Kunst in Deutschland. Knapp 20 Jahre später, zwischen 1943 und 1945, wurden die Fenster durch Bomben zerstört.

"Das schwierigste an dem Projekt war es, den ¿Code‘ zu knacken und an die Bauanleitung zu kommen", sagte die künstlerische Projektleiterin Christine Triebsch von der Hochschule für Kunst und Design Halle, Burg Giebichenstein. Anhand von Fotos, Zeitzeugenberichten und noch vorhandenen Werkzeichnungen wurde nach und nach entschlüsselt, wie Albers seine Fenster aufbaute. Die Recherchen dauerten insgesamt etwa 15 Jahre. Die noch vorhandenen Pläne waren teilweise irreführend, weil Elemente zusammengeschoben wurden.

Herausragendes Kennzeichen der Fenster sei das mundgeblasene spezielle Glas, das aus einem klaren Träger mit einer weißen und einer grünlichgelben Hülle besteht, erklärte Triebsch. Dieser doppelte Überzug bewirke unter anderem, dass bestimmte Partien von innen betrachtet dunkel, von außen gesehen hingegen hell erscheinen. Akzentuiert wird das Glas durch flächig aufgetragenes Schwarz und Silber sowie horizontale und lineare Schliffe.

Der in Bottrop (Nordrhein-Westfalen) geborene Josef Albers ist nach einem Kunststudium in Berlin, Essen und München 1920 in die von Walter Gropius gegründete Kunstschule Bauhaus in Weimar eingetreten. Wenige Jahre später wurde er deren stellvertretender Direktor und lehrte vor allem Glastechnik und Holzverarbeitung. 1932 hatte er seine erste Einzelausstellung. Als nach Hitlers Machtübernahme 1933 das Bauhaus durch die Nationalsozialisten geschlossen wurde und alle Lehrkräfte entlassen wurden, verließ Albers Deutschland und emigrierte in die USA.