Berlin (dpa). 65 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft hat Deutschland erstmals ein zentrales Museum am Ort der Täter. Bei der Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums "Topographie des Terrors" in Berlin sagte gestern Bundespräsident Horst Köhler: "Kein anderer Ort ist enger mit den Verbrechen der Nationalsozialisten verbunden als dieser."

Die Auseinandersetzung mit den Tätern ist laut Köhler nötig, um zu erfahren, wie wenig selbstverständlich Freiheit, Menschenwürde, Toleranz und Demokratie sind. "Umso wichtiger ist es, auch in Zukunft das Bewusstsein für die besondere geschichtliche Verantwortung Deutschlands wachzuhalten."

Von heute an ist das Haus auf dem Gelände der einstigen Terrorzentralen von SS und Gestapo für Besucher geöffnet. Hier planten Reinhard Heydrich und Heinrich Himmler generalstabsmäßig den Völkermord an sechs Millionen Juden, mehr als 15 000 Menschen wurden in den Kellern verhört und gefoltert. Seit 1987 gab es hier unter dem Namen "Topographie des Terrors" nur eine provisorische Freiluft-Ausstellung.

"Das Gelände war die offene Wunde in der Stadt", sagte Stiftungsdirektor Andreas Nachama anlässlich der Museumseröffnung. "Wir wollten, dass der Charakter des Garstigen und Schwierigen auch weiter ablesbar bleibt."

Das neue Museum hat eine lange Geschichte von Pleiten und Pannen hinter sich. Insgesamt musste das Projekt dreimal ausgeschrieben werden.

Nach dem Entwurf von Architektin Ursula Wilms empfängt nun ein schlichter, transparenter Flachbau auf dem 4,5 Hektar großen Gelände im Herzen Berlins den Besucher. Auf 800 Quadratmetern zeichnet eine Dauerausstellung die Geschichte des unvorstellbaren Grauens nach. Im Untergeschoss geben eine Bibliothek mit mehr als 27 000 Medieneinheiten, Seminarräume und Wechselausstellungen die Chance, die Information zu vertiefen.

"Auch die Freiluftausstellung wurde überarbeitet und mit 15 Stationen neu gestaltet. Mit mehr als einer halben Million Besuchern pro Jahr gehörte sie schon bisher zu den meistbesuchten Erinnerungsstätten in der Bundeshauptstadt.