Ganz gleich, wie weit man zurückblickt: Alles war schon mal da. Aber gerade deshalb legen Marion Bach, Hans-Günther Pölitz und Klaus Schaefer von der Magdeburger "Zwickmühle" immer wieder gekonnt den Satire-Finger in alle möglichen Wunden dieser Gesellschaft. Ihr Programm "Schon mal gelacht oder Kinder, wie die Zeit besteht", das am Dienstagabend Premiere hatte, ließ keinen Fettnapf aus und bekam dafür begeisterten Beifall.

Magdeburg. Vielleicht laufen die Männer tatsächlich erst zur Hochform auf, wenn die Frauen Regie führen. Bei Hans-Günther Pölitz scheint es so zu sein, denn Gattin Regina Pölitz schwang auch in diesem Programm "Schon mal gelacht oder Kinder, wie die Zeit besteht" das Zepter.

Wenn es dann, was natürlich reine Spekulation ist, nach dem Motto geschieht: "Schreib auf, was Du willst, ich sage, was Du wie sagst!", dann muss man dem Duo die ideale Ergänzung bescheinigen. Pölitz dominiert das Programm, ohne seinen Mitstreitern Marion Bach und Klaus Schaefer die Schau zu stehlen. Alle drei zusammen haben von der ersten Minute an ihr Publikum im Griff. Sie wissen genau, wann bissige politische Satire durch Klamauk und 30 Jahre alte Witze aufgelöst werden muss, so dass keiner der offensichtlichen Kabarett-Fangemeinde ohne Lacher bleibt. So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Ansprüche an politisches Kabarett. Die Zwickmüller bedienen absolut professionell jeden Anspruch.

Man muss zugeben, dass die Merkwürdigkeiten, die jeden Tag aus dem politischen Berlin über das Volk hereinschwappen, es den Kabarettisten leicht machen. Aus dieser Riesenfülle des Angebots die wesentlichen Themen herauszufischen, sie so zuzuspitzen, dass ihre Absurdität nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken anregt, das ist die Kunst des Kabaretts. Die Zwickmüller beherrschen dieses Metier, spielen mit Worten und Gedanken so schnell, dass kaum Längen auftreten. Ob nun Mutter Merkel aus dem Mutterland die griechische Kolonie in Ordnung bringt, indem nichts auf die lange Bank, sondern auf die Deutsche Bank geschoben wird, es "Nieder mit der Glühbirne – es leben die Armleuchter" heißt oder der Eid des Hippokrates "allen Menschen nach bestem Vermögen zu helfen" sehr frei uminterpretiert wird – fast immer sind es vergnügliche gekonnte Wortspiele.

Genauso virtuos wie mit der Form gehen die Zwickmüller auch mit den Inhalten um. Marx oder der liebe Gott, Islamisten, Burkaträger oder Bestatter – die Pölitz-Truppe hat keine Angst vor Tabus. Sie legt sich im wahrsten Sinn des Wortes mit Gott und der Welt an, thematisiert mit beißendem Sarkasmus den Missbrauch von Kindern durch Geistliche ebenso wie den Tod deutscher Soldaten in Afghanistan mit dem Lied "Es steht ein Soldat am Mohnfeldrand" in der Melodie vom "Soldaten am Wolgastrand".

Der Tod spielt beim Thema Gesundheitsreform eine zentrale Rolle als Form des sozialverträglichen Frühablebens. Statt das Rentenalter hochzusetzen, sollte man lieber das Sterbealter senken, meinen die Zwickmüller, regen Fahrgemeinschaften von Bestattern und Notärzten an, um Kosten zu sparen, oder Kaffeefahrten mit der Schwarzen Flotte zur Einstimmung. Nur "Alt wie ein Baum", so singen die drei gemeinsam, sollte man mit Blick auf die Kosten nicht werden.

Angesichts des kabarettistischen Erfolgs an diesem Abend kann man nur wünschen, dass der Gesang der drei nicht erhört wird, damit sie dem Publikum noch lange erhalten bleiben.