Eine einstige Debütantin, die heute noch in Magdeburg lebt, macht eine Reise in ihre Vergangenheit. Sie ( im Videofilm die ehemalige Magdeburger Ballerina Karin Laue ) fährt mit der Straßenbahn durch die Stadt, steigt am Kristallpalast aus. An einem historischen, einst glanzvollen Bauwerk, das heute Ruine ist. " Und dann geht es los ", genauer er, " Der Debütantenball ", so Gonzalo Galguera, Magdeburger Ballettdirektor und Chefchoreograf, zu seiner neuen Produktion. Premiere ist am Freitag im Opernhaus.

Magdeburg. Die Gäste des Magdeburger Theaters erleben einen Ball um die Jahrhundertwende im 1889 errichteten Kristallpalast Magdeburg. In dem, sagt Galguera nach einer Besichtigung sehr beeindruckt, " die Seele des Ortes heute noch lebt ".

Wie in dieser Spielzeit bereits in seiner erfolgreichen Ballettinszenierung " Heilig !" setzt sich Gonzalo Galguera oft eindringlich mit Fragen menschlichen Seins auseinander. Nun bringt er einen scheinbar " nur " gängigen witzigen Stoff auf die Ballettbühne. Seine Sicht : " Eine Ballettcompagnie muss in der Lage sein, dem Publikum eine breite Palette anzubieten, sowohl inhaltlich als auch in der Form. Mit Mitteln des Tanzes eine Geschichte erzählen können. Den Gästen ebenso die Entwicklung des Ballettensembles präsentieren können. " " Deshalb ", erklärt der Ballettchef, " bin ich mir nicht zu schade und habe auch keine Hemmungen für einen Johann Strauß. "

Künstlerische Grundlage dieser Uraufführung ist " Der Kadettenball " von Johann Strauß. Johann Strauß und auch Jacques Offenbach sind als Operettenkomponisten gut bekannt, weniger als Ballettkomponisten. " Der Kadettenball " von Strauß und " Le Papillon " von Offenbach seien, so Galguera, durchaus gute Stücke, die " leider fast in Vergessenheit geraten sind ". Er betrachtet die Stücke aus seiner heutigen Sicht. " Ich habe geändert und erweitert. " Aus dem 45-minütigen Originalstück " Der Kadettenball " hat Gonzalo Galguera ein abendfüllendes Ballett geschaffen. Zwei Stücke fügt der Chefchoreograf dabei zu einem zusammen. " Ballett im Ballett ", ohne sie jedoch zu vermischen.

So ist " Der Debütantenball " entstanden. Die " erste öffentliche Geschlechterbegegnung unter Aufsicht " steht im Mittelpunkt der Handlung. Die Schülerinnen eines Magdeburger Mädchengymnasiums laden die Absolventen der Kadettenschule zu ihrem Ball ein. Und – die Debütantinnen bereiten innerhalb des Balles eine Darbietung vor : eben das Ballett " Le Papillon " nach der Musik von Jacques Offenbach. " Eine tolle Musik und eine schöne romantische Handlung ", macht Galguera neugierig. Nach dieser reizvollen " Balletteinlage " werde wieder zum " eigentlichen Ball " zurückgekehrt.

Es ist der Abend der jungen Anna, die sich auf dem Ball unsterblich in Karl-Otto verliebt. Es soll auch der Abend der etwas tollpatschigen Lotte sein, die Ballkönigin werden möchte. Und es sind noch mehr Personen in lustigen humorvollen Situationen zu erleben.

" Rückblende mit Realismus, kein Zurückdrehen der Zeit, kein Klamauk, kein Lustigmachen über die Vergangenheit der Stadt Magdeburg ", nennt Galguera einige seiner Intensionen. Es geht ihm " um das Nachdenken, wie man früher gedacht, um das Fühlen, wie man früher gefühlt, wie man sich bewegt hat ". Es sei gut und notwendig, dass " wir im Theater mit Mitteln der Kunst, des Tanzens auch Realitäten zum Vergleichen präsentieren können : So war es früher, so ist es heute ".

" Der Debütantenball " ist Gonzalo Galgueras überhaupt erstes historisches Handlungsballett, seine erste " durchchoreografierte " Ballettkomödie in der Reihe seiner inzwischen gut 50 choreografierten und inszenierten Ballette. Er verspricht für diesen Abend zwei Stunden beste heitere Unterhaltung, mit einer begeisternden Musik.