Hamburg ( dpa ). Warum ist Günther Jauch bei RTL ? Die Antwort ist 20 Jahre alt. Der damalige RTL-plus-Geschäftsführer Helmut Thoma holte Jauch nach Köln, damit er die Moderation des neuen Magazins " Stern TV " übernimmt. Die Kritiker spotteten über das Format. " Jauchs Stern verblasst ", schrieb die Münchner " Abendzeitung ", wie RTL heute nicht ohne Stolz zitiert, denn nach dem verkrampften Start am 4. April 1990 nahm die Attraktivität der Sendung stetig zu.

Auch die Affäre um den Filmemacher Michael Born, der Mitte der 90 er Jahre verschiedene Fernsehanstalten, unter anderem auch RTL, mit gefälschten Beiträgen belieferte, konnte " Stern TV " nichts anhaben. Heute ( 22. 15 Uhr ) feiert RTL das Jubiläum mit einem Rückblick auf 20 Jahre.

" Noch immer ist " Stern TV " eine der letzten Wundertüten im Fernsehen ", sagt Jauch. " Ein aktuelles Magazin, in dem Information, Unterhaltung, Lebenshilfe, die große Reportage oder die kleine Satire jede Woche ihren Platz finden kann. " Nicht wenige Nachahmer versuchten sich danach an ähnlichen Sendungen, aber nicht alle hatten den Erfolg wie Jauch, der für RTL mit 19, 7 Prozent einen Marktanteil beim Publikum zwischen 14 und 49 Jahren über dem Senderschnitt von etwa 18 Prozent einfuhr.

Mehr als 7000 Studiogäste begrüßte Jauch in mehr als 900 Sendungen, errechnete RTL. Prominente wie Michael Gorbatschow, Angela Merkel und Michael Schumacher gehörten dazu. Aber auch immer wieder Gäste, die in ein journalistisch orientiertes TV-Format nur am Rande passen, denn RTL bestückt die Sendung immer wieder gerne mit bekannten Gesichtern aus anderen Sendungen, ob es die " Superstars " sind oder der Schuldnerberater Peter Zwegat, um für " Cross-Promotion " zu sorgen. " Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass viele Zuschauer an dem Live-Eindruck von Protagonisten des Vorprogramms interessiert sind oder wissen wollen, wie sich ein Thema oder eine Person weiterentwickelt hat ", sagt Jauch. " RTL nimmt da traditionell absolut keinen Einfluss. "

Für Jauch hat sich die langfristige Verpflichtung gelohnt, denn seit zehn Jahren produziert er auch die Sendung. " Damals wurden uns für die Sendung immer stärkere Sparzwänge auferlegt ", räumt er ein. " Ich wollte aber immer das Geld erst ins Programm stecken und dann sehen, dass etwas übrigbleibt. Wenn man, statt inhaltlich zu denken, immer nur auf das Budget schielen muss, kommt nicht selten ein schwaches Programm heraus. Außerdem redet mir keine Heuschrecke und kein verschreckter Kreditgeber in die Beiträge oder unsere Redaktion rein. Das lässt einen sehr frei atmen. "

Und Freiheit ist für einen Produzenten und einen Moderator ein hohes Gut, intellektuell und finanziell. Auch dies mag einer der Gründe gewesen sein, weswegen Jauch bislang den Bestrebungen aus ARD-Kreisen widerstanden hat, die Seite zu wechseln. Auch wenn er bei " Stern TV " schon vom Rad gefallen ist, von Affen gebissen und von Krokodilen angepinkelt wurde, bleibt er dabei : " Ich habe mir mal geschworen, nie so lange eine Sendung zu moderieren, wie weiland Klaus Bednarz sein Magazin " Monitor " in der ARD ", so Jauch. " Zu meinem Schrecken habe ich festgestellt, dass der Mann immerhin nach 18 Jahren die Segel gestrichen hat. Insofern bin ich eigentlich schon überfällig ... "