Wenn am 11. Juni im fernen Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet wird, rollt auch im Magdeburger Stadion der Ball. Das kleine Theater an der Angel pfeift zum WM-Start in der großen MDCC-Arena sein Sommerstück an. " Die Ballade von Garuma " heißt das Spiel. Es wird bis zum 25. Juni zehnmal gezeigt und soll ein theatrales Magdeburger Sommerfußball-Märchen werden.

Magdeburg. Ines Lacroix ist eine Theaterfrau. Aber tief in ihr schlummert eine Leidenschaft, die Fußball heißt. Schon als Kind war sie bei Spielen des Magdeburger Traditionsclubs 1. FCM. Sie denkt gern an die Zeit, als ihre Tante sie mit ins Stadion genommen hat. " Als Kind war ich ein begeisterter FCM-Fan. Ich hatte eine ganze Wand voll mit FCM-Gläsern ", sagt sie. Bei Matthias Engel war es ähnlich. Für beide, so erinnern sie sich an ihre Kindheit, bedeutete Fußball immer Fest, Aufregung, Familie. Es war eine Welt, eine schöne Fußballwelt, die es so für beide heute nicht mehr gibt.

Jetzt verbinden sie erstmals ihre Leidenschaft Theater mit dem Interesse für Fußball ( Regionalligabesuche im Stadion inklusive ) und ziehen im Sommer in die Magdeburger MDCC-Arena ein. Das Theater an der Angel spielt dort " Die Ballade von Garuma " ( Regie : Tom Wolter / Ausstattung : TOTO ), ein dreiteiliges Sommerfußballmärchen.

Es wird Teil einer Veranstaltungsreihe in der Arena, die heute in einem Pressegespräch der 1. FC Magdeburg Stadionund Sportmarketing GmbH vorgestellt wird.

Eine separate Tribüne

und 400 Zuschauer

Der Vorbereitungsstress ist groß, die Freude aber auch. Denn seit Jahren schon tragen sich die beiden Schauspieler mit dem Gedanken, dieses Stück, das sie 1990 bei einem Theaterfestival verfolgt hatten, in Magdeburg zu zeigen. Gesehen hatten sie es in einer großen Sporthalle, aufführen wollten sie es auch in einer großen Sporthalle. Doch aus der angedachten Magdeburger Gieselerhalle wurde nichts. Jetzt also der verhandlungsintensive Schritt ins Stadion.

Das wird nicht tausendfach gefüllt, 400 Besucher sind pro Vorstellung geplant. Um einer Geisterkulisse im weiten Rund zu entgehen, haben sich die Theatermacher für den Aufbau einer separaten Tribüne entschieden, die unter eine Betontribüne gebaut wird und den Zuschauer in die Welt der Favelas der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro entführen soll. Es ist eine stark von Musik geprägte Welt voller Lebensfreude und Enttäuschungen, voller Lachen und Weinen.

Erfolg und Niederlage dicht beieinander

" Die Ballade von Garuma " handelt von einem Fußballspieler, der aus ärmlichsten Verhältnissen den Weg ins glamouröse, gut bezahlte Fußballgeschäft findet. Es geht um Emotionen, Erfolge und Niederlagen und die Frage, was wird, wenn die Blitzkarriere plötzlich in die Brüche geht ? Die Story ist angelehnt an die Lebensgeschichte des 1983 gestorbenen Weltmeisters Garrincha, der bei der WM 1962 zu Ruhm dribbelte und wie auch Pelé zu den Fußballidolen nicht nur der Brasilianer gehört.

Sieg und Niederlage – " Garuma " zeige diese Gegensätzlichkeit, die auch so sehr auf den hier spielenden FCM zutreffe, meinen Ines Lacroix und Matthias Engel und haben dabei die schöne neue Arena und den Kick in der ( leider nur ) vierten Liga im Blick. Das werden sie im Stück nie aussprechen, hoffen aber, dass das Publikum dieses Ansinnen " fühlen " wird.

Das Stück ( der Kartenvorverkauf hat begonnen ) stammt von Ad de Bont, die Musik von Guus Ponsioen. Es sind zwei Niederländer – Landsleute von Ruud Kaiser. Der wird zum 1. Juli Trainer des 1. FC Magdeburg, nur wenige Tage nachdem " Die Ballade von Garuma " im Stadion endet. Vielleicht startet dann ja ein neues, ein blau-weißes Fußballmärchen.