In diesem Jahr wäre der griechische Künstler Fotis Zaprasis 70 Jahre geworden. Er kam nach den Wirren des griechischen Bürgerkrieges als Kind in die DDR. Die Stadt Halle, wo er seit der Mitte der 1960 er Jahre bis zu seinem Tod 2002 lebte, ehrt den Künstler mit einer Ausstellung von Aquarellen in der Konzerthalle Ulrichskirche, die bis in den September hinein zu sehen ist.

Halle. Vor mehr als 40 Jahren stellte im Kunstkabinett der damaligen Grenzgemeinde Hötensleben ein junger, noch unbekannter Künstler aus. Es war seine überhaupt erst zweite eigene Ausstellung, die ihn in die Magdeburger Börde führte.

Später, als er schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte, stellte er auch in Magdeburg aus und war 1974 an der Magdeburger Graphik-Mappe unter anderem gemeinsam mit Nuria Quevedo, Gabriele Mucchi, José Renau und René Graetz beteiligt. In der Saalestadt Halle und in Kunstkreisen der DDR hatte er nun schon lange einen guten Namen. Er war an großen Ausstellungen beteiligt, auch international und konnte nach der schweren Trennung von der Familie erst als längst erwachsener und profilierter Künstler in seine Heimat reisen. Die Entwurzelung eines Menschen fand aber so kein Ende, die Unruhe zwischen " heimatlicher Fremde und fremder Heimat " hielt bis zu seinem allzu frühen Tod an.

In der frühen Hötensleber Ausstellung hatte er mit seinem Griechenland-Zyklus noch sehr direkt seine Erinnerungen an die Heimat verarbeitet. Auch seine Blätter zu Aristophanes " Die Vögel ", Teil seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, waren zu sehen.

Später hat er seine griechischen und seine deutschen Erfahrungen in wunderschönen Aquarellen, Traumbildern gleich und oft auch surreal, bildhaft umgesetzt. Eingewoben in die Landschaft tauchen Figuren auf oder ihre Fragmente, manchmal wachen stechende oder fragende Augen über das Ganze. Es sind zarte, feinnervige Gespinste, die der Künstler mit leuchtender, oft nahezu glühender Farbigkeit noch kostbarer macht. Es ist die Verdichtung von Realität, wie sie nur Kunst formulieren und ins Bild setzen kann.

In den letzten Jahren verwendete Zaprasis immer mehr Metaphern und Symbole für eine seltsame Bildwelt zwischen abstrakt und gegenständlich. Oft sind seine Selbstzweifel und Sehnsüchte in Andeutungen zu spüren. Manchmal erzählt er in seinen Bildern auch kleine Geschichten vom Leben, von Liebe und Tod.

Wie schwer der Künstler an der Zerrissenheit der Welten und des Ichs zu tragen hatte, offenbart ein im Eudora-Verlag Leipzig erschienenes Buch von Ralf C. Müller mit dem Titel " Weggehen – Wiederkommen ", in dem der Autor originale Briefe des Künstlers und der Familie und andere Dokumente verwendet. Die abgebildeten frühen und späten Werke belegen die Kämpfe des Künstlers um sein Werk.

Die Hallenser Ausstellung in der Konzerthalle mit Aquarellen von Fotis Zaprasis ist in ihrer Dimension zwar bescheiden und es bleibt eine museale Würdigung zu erhoffen, aber der Zauber der Arbeiten erreicht den Besucher innerhalb der alten Kirchenmauern sofort. Die Ausstellung ist zu den Veranstaltungen des Konzerthauses zu sehen und nach Voranmeldung im Kulturbüro unter Telefon ( 03 45 ) 2 21 30 01.