Parchen l Die Veröffentlichung im Amtsblatt war großes Thema am Mühlentag, als die Parchener und ihre Gäste im Schatten der alten Bockwindmühle zusammenkamen. Bekommen wir jetzt noch andere Windmühlen in Parchen?, so die große Frage.

Soweit ist es noch nicht. Die Volksstimme erfuhr beim zuständigen Landkreis, dass mit der Bekanntmachung im Amtsblatt lediglich festgestellt wurde, dass nach einer durchgeführten standortbezogenen Vorprüfung durch die Errichtung und den Betrieb von drei Windenergieanlagen in der Gemarkung Parchen keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten seien und dass eine Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung für das Vorhaben nicht bestehe.

Landkreis-Sprecherin Claudia Hopf-Koßmann erläutert, dass im Zuge der standortbezogenen Vorprüfung in einem Beteiligungsverfahren die Träger öffentlicher Belange gebeten wurden, ihre entsprechenden Belange, wie beispielsweise Natur- und Bodenschutz, zu prüfen. „Die Ergebnisse wurden in der unteren Immissionsschutzbehörde gebündelt und ausgewertet. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen zu erwarten sind und dass eine Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung für dieses Vorhaben nicht besteht.“

Das Ergebnis, dass keine Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung besteht, vereinfacht das Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz. Eine Öffentlichkeitsbeteiligung muss nicht erfolgen, wohl aber eine Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange und weiterer Behörden.

Über 200 Meter hoch

Die Errichtung der drei Windräder in der Gemarkung Parchen plant die Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. KG mit Sitz in Genthin, die in der Region Genthin bereits Windkraftanlagen errichtet hat, zuletzt zwei Anlagen bei Redekin. Der Antragsteller plant in der Gemarkung Parchen die Errichtung von drei Windenergieanlagen des Typs Enercon E-115 mit einem Rotordurchmesser von 115,7 Meter, einer Nabenhöhe von 149,08 Meter und einer Gesamthöhe von 206,93 Meter sowie einer Nennleistung von je drei Megawatt je Anlage auf der Flur 4 der Gemarkung Parchen, Flurstücke 7/1, 11/4, 11/5 und 205/6. Die Standorte würden sich etwa 1,5 Kilometer entfernt von der Ortschaft Parchen, etwa 1000 Meter entfernt von Wiechenberg und etwa 4 Kilometer entfernt von Genthin befinden.

Da das Verfahren derzeit in der Bearbeitung ist, ist es noch völlig offen, ob überhaupt und wann die Anlagen errichtet werden.

Parchens Ortsbürgermeister Hubert Schwandt verfügt aktuell über „keine gesicherten Informationen“ zum Stand des Windkraftanlagen-Projektes in der Gemarkung Parchen. „In der Regionalplanung war dieser Standort bisher weder als Vorrang- noch als Eignungsgebiet für Windkraftanlagen ausgewiesen, was in dem weiteren Verfahren sicher eine Rolle spielen wird“, so Schwandt. Aus den Gesprächen heraus, die er in den letzten Tagen geführt hat, so Ortsbürgermeister Schwandt weiter, gehe er davon aus, dass die Parchener der Errichtung von Windkraftanlagen in ihrer Gemarkung „überwiegend ablehnend“ gegenüber stehen. Der Genthiner Stadtrat hat sich bislang noch nicht mit diesem Projekt befasst.

Windkraftanlagen wollen die Einwohner auch in den Nachbarorten Güsen und Hohenseeden verhindern.  Selbst in Parey hat sich der Wind gegen die Windkraft gedreht, der Gemeinderat will eine weitere Anlage im Pareyer Windpark verhindern.