Ristedt l Um 13.23 Uhr heulte die Sirene am Sonnabend in Ristedt. Der Grund: Ein Stapel Holzpaletten stand nahe des Saals lichterloh in Flammen. Doch schon wenige Minuten später kamen die Kameraden der Ortswehr angefahren, um den Brand zu löschen. Entzündet wurde das Feuer eigens dafür. Denn die Mitglieder der Ristedter Feuerwehr wollten bei der Schau-Übung zum Dorffest, das am vergangenen Wochenende in Ristedt anlässlich des 905-jährigen Bestehens des Ortes gefeiert wurde, ihr Können unter Beweis stellen. Und tatsächlich. Wenige Minuten später waren die Flammen unter einem weißen Schaumteppich erlöscht.

Quiz für Kenner des Ortes

Die Übung war dabei ein Höhepunkt am Sonnabend, den die Ristedter und Neu-Ristedter erleben konnten. Gestartet war das Fest schon am Freitagabend im örtlichen Schützenhaus. Dort wurden Wettbewerbe im Schießen und im Dartspielen ausgetragen. Am Sonnabend dann lockten viele unterschiedliche Angebote an und in den Saal. Angeboten wurde etwa ein Ristedt-Quiz für Kinder und Erwachsene, bei dem gutes Wissen über den Ort hilfreich war. „Google kann davon nicht eine Frage beantworten“, scherzte Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Beckmann, als er die Programmpunkte des Tages vorstellte. So wurden die großen Teilnehmer etwa gefragt, in welchem Monat denn die meisten Ristedter Geburtstag haben oder ob es denn in Ristedt und Neu-Ristedt mehr männliche oder mehr weibliche Einwohner gebe. Insgesamt 33 Erwachsene sowie zwölf Mädchen und Jungen machten ihre Kreuze und wurden mit Urkunden belohnt.

Basteln mit Peddigrohr

Ein paar Meter weiter konnten Tiere aus Luftballons geknotet und Körbe aus Peddigrohr geflochten werden. Mit dem Titel „Männersache“ war ein anderes Angebot überschrieben. Hier galt es, mit einem Auto einen Slalom-Parcours in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren. Auf den Lack des Wagens musste dabei niemand mehr achten, denn der Unfallwagen hatte seine besten Tage schon hinter sich. Und so ließen die Männer und Frauen ordentlich die Reifen quietschen.

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Ansprache am Gedenkstein

Seinen großen Auftritt hatte der gemischte Chor Ristedt am Sonnabendnachmittag im Saal. Die Zuhörer konnten sich dabei Kuchen schmecken lassen, der im Ofen des Saals gebacken wurde. Abends wurde zum Tanz eingeladen. Zur Ansprache, die Pfarrer in Ruhe Klaus Pacholik hielt, hatten sich die Einwohner am Sonntagvormittag am Gedenkstein versammelt. Pacholik blickte auf die Anfänge des Ortes zurück, gelebt haben die ersten Ristedter von etwas Acker, Vieh und Wald. Seit über 900 Jahren lebten Menschen in dem Ort, hätten ihn mit Leben erfüllt – auch zu Zeiten von Seuchen, Kriegen und bei Bränden. Als Beispiel eines Einwohners nannte Pacholik Johannes Ungnade, der 40 Jahre Pfarrer in Ristedt war, davon 30 im Krieg. Doch trotz der schweren Zeit blieb er, stiftete sogar den Abendmahlskelch.

Bewegte Zeiten

 „Menschen, die nicht aufgegeben haben, wohnten hier“, sagte Pacholik. Ein Jahrhundert später zog Preußens Gloria ein, 1871 wurde die große Friedenseiche gepflanzt, als Zeichen des Stolzes, dass man die Franzosen im Krieg besiegt hatte. „Nicht sehr viel später wurden die Kriegerdenkmale für die Opfer beider Weltkriege errichtet“, blickte Pacholik in die jüngere Vergangenheit zurück. Überdauert habe der Ort in den letzten Jahrzehnten die Kaiserzeit, die Hitler-Diktatur und den Sozialismus. „Wir blicken zurück auf unsere Vorfahren. Sie waren keine Helden, haben aber auch nicht aufgegeben. Wir wollen ein Glied in der Kette der Generationen sein“, sagte Pacholik. Er mahnte dazu, sich den Vorfahren als würdig zu erweisen.

Weiter ging es am Sonntag mit einem Frühschoppen. Außerdem wurden die Wettbewerbe ausgewertet. Marga Drebenstedt, sie erstellt derzeit eine Chronik für Ristedt, stellte ihre bisherige Arbeit vor.