Magdeburg l Besorgt blicken auch die Fachleute von der Trinkwasserversorgung Magdeburg (TWM) auf die Entwicklung. Geht es so weiter mit der Überdüngung der Äcker, könnte auch das viel gerühmte, äußerst saubere Trinkwasser aus der Colbitz-Letzlinger Heide irgendwann belastet sein. „Deshalb ist die Landwirtschaft gefordert, die gängige Düngepraxis auf den Grundwasserschutz auszurichten“, appelliert Dr. Alexander Ruhland, Geschäftsführer der TWM, an die Landwirte.

Noch gibt es kein Problem mit Nitraten im Grundwasserreservoir der Colbitz-Letzlinger Heide, aus dem die Magdeburger schon seit 1966 ihr Trinkwasser beziehen. Die Gewinnungsgebiete der Heide seien bislang „überwiegend ohne landwirtschaftliche Beeinflussung“, stellt Ruhland fest. Die Bereiche, in denen es Land- und Forstwirtschaft gebe, unterliegen laut Ruhland zudem strengen Auflagen. Das Schutzgebiet im Colbitzer Einzugsbereich umfasst allein rund 11.000 Hektar. Das ist eine Fläche so groß wie etwa 15.400 Fußballfelder.

Nitratbelastung in Magdeburg gering

Und die Nitratbelastung? Mit weniger als 1 Milligramm pro Liter sei sie momentan „verschwindend gering“, wie Peter Bogel vom Trinkwasserschutz der TWM betont. Der gesetzliche Grenzwert liegt für Nitrat bei 50 Milligramm je Liter.

Die Stickstoffe stehen im Verdacht, die Schilddrüse zu schädigen bzw. Krebs zu verursachen. Experten des Umweltbundesamtes hatten angesichts vielerorts steigender Nitratwerte im Trinkwasser davor gewarnt, dass aufwendige Reinigungs- und Aufbereitungsmethoden notwendig werden könnten, wenn nicht bald weniger Dünger auf die Felder gebracht werde. „Wir haben ein umfangreiches Monitoring- und Kontrollsystem und auch die Nitratwerte genau im Blick“, betont TWM-Geschäftsführer Ruhland. Da das Magdeburger Trinkwasser aber nicht durch Nitrate belastet sei, gebe es auch keine Veranlassung für Kostensteigerungen mit dieser Begründung.

Hohe Wasserqualität in der Heide

Nach wie vor gilt das Trinkwasser aus der Colbitz-Letzlinger Heide als eines der besten Europas. Naturnah aufbereitet, ohne chemische Zusatzstoffe, wie Geschäftsführer Alexander Ruhland betont. Auch gechlort werde das wertvolle Nass nicht, selbst in heißen Sommern nicht. „Das gab es in Magdeburg nur einmal in den letzten Jahrzehnten, und das war im Hochsommer 1998“, berichtet Ruhland.

In den 1990er Jahren hatte es dramatische Rückgänge beim Trinkwasserverbrauch in Magdeburg gegeben. Gründe waren der drastische Einwohnerrückgang und wegbrechende Industriebetriebe. Das Wasser stand in der Ferienzeit förmlich in den Leitungen unter der Stadt, erreichte keimfördernde Temperaturen bis zu 17 Grad. „Selbst wenn solch eine Situation noch einmal auftreten sollte, würde eine Chlorbeigabe immer in Zusammenarbeit mit den Behörden und unter Auflage durch das Gesundheitsamt erfolgen. Wir würden das niemals im Alleingang tun“, erklärt Alexander Ruhland.

Trinkwasser wird oft getestet

Überhaupt sei das Trinkwasser das am besten kontrollierte Lebensmittel im Land. Das Wasser durchläuft zahlreiche Tests auf Bakterien oder chemische Schadstoffe. 1730 Beprobungen des Trinkwassers gab es allein im Jahr 2016 bei der TWM. Dafür verantwortlich zeichnet das akkreditierte, staatlich kontrollierte Labor am Hauptsitz in der Herrenkrugstraße in Magdeburg. „Es muss deshalb auch niemand zu Hause sein Trinkwasser testen. Das macht der Wasserversorger schon ausgiebig“, erklärt Peter Bogel. Und wer wissen möchte, wie zum Beispiel der Härtegrad des Wassers ist, findet das auf der Homepage der TWM.

Der Betrieb versorgt in Sachsen-Anhalt inzwischen rund 740.000 Menschen mit Trinkwasser vornehmlich aus der Colbitzer Heide und dem Westfläming. Das Versorgungsgebiet erstreckt sich zwischen Wittenberg und Wernigerode bzw. Colbitz und Staßfurt. 110 Mitarbeiter, davon 40 am Magdeburger Standort in der Herrenkrugstraße, kümmern sich um die Gewinnung und Aufbereitung des Trinkwassers in den betriebseigenen Brunnen und Anlagen. „Wir beliefern mit unserem Wasser nicht die Endkunden, sondern öffentliche Versorger, Verbände oder Industriekunden. In Magdeburg sind das die SWM“, erklärt Geschäftsführer Alexander Ruhland. Die SWM sind – wie andere Kunden – zugleich Gesellschafter der TWM GmbH.

Im Jahr 2016 lieferte der Betrieb 42 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Eine gewaltige Menge, doch die Ressourcen an dem guten Heidewasser sind ebenso reichlich. Der Untergrund hält einen Vorrat von ca. 3,3 Milliarden Kubikmeter Grundwasser bereit. Genug auch für durstige Magdeburger Kehlen, denn nach Zeiten des Rückgangs steigt der Trinkwasserverbrauch in der Landeshauptstadt seit 3 Jahren wieder leicht an.