Magdeburg l Der Tod einer 42-jährigen Radfahrerin bei einem Unfall am 6. Februar in der Großen Diesdorfer Straße ist weiterhin Thema. Am Abend jenes Tages hatte der Fahrer eines Transporters die Frau erfasst.

Zum einen im Stadtrat. Dort hatte die Fraktion CDU/FDP/BfM einen Antrag eingebracht, nach dem die Stadt beauftragt wird, bis April Vorschläge vorzulegen, wie die Sicherheit an der Straße verbessert werden kann. Der Antrag bekam samt dem Änderungswunsch aus der SPD-Fraktion, dass die Vorschläge zuvor im Bauausschuss vorgestellt werden sollen, eine Mehrheit.

Schutzstreifen für Radfahrer beschlossen

Hinterhergeschoben wurde noch ein weitergehender Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke/Future – demnach soll entlang der Strecke ein Fahrradstreifen ausgewiesen werden, den Autos laut Straßenverkehrsordnung nicht befahren dürfen. Auch dieser Antrag, der eine kurzfristige Lösung einfordert, bekam im Stadtrat eine Mehrheit, so dass so etwas wie eine Marschrichtung vorgegeben ist.

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Neben den Stadträten hat sich aber auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) mit dem Thema auseinandergesetzt. Er geht über die Wünsche im Stadtrat hinaus und fordert eine sogenannte Protected Bike Lane (Deutsch: Geschützte Radstrecke) einzurichten. Dabei handelt es sich um eine besonders gesicherte Radspur auf der Fahrbahn.

Spuren voneinander trennen

Die Fahrradspur wird dabei durch eine physische Trennung vom motorisierten Verkehr deutlich gemacht. Das kann beispielsweise durch kleine Schwellen oder Pylonen erfolgen. Je nach den vorhandenen Platzverhältnissen werden in anderen europäischen Städten sogar Blumenkübel zur Abtrennung des Radwegs eingesetzt.

Mit der baulichen Trennung des Streifens soll gewährleistet werden, dass ein sicherer Abstand beim Überholen von Radfahrern tatsächlich eingehalten wird. Norman Dreimann ist Vorsitzender des ADFC in Magdeburg und erläutert die Forderung nach einer Umverteilung des Verkehrsraums: „Die aktuell großzügig bemessene Fläche des Kraftverkehrs muss eingeschränkt werden, um anderen Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern und Radfahrern den Raum zu geben, den sie benötigen, um sich sicher durch die Stadt bewegen zu können.“

Geringer finanzieller Aufwand

Die Umsetzung einer „Protected Bike Lane“ wäre mit wenig finanziellem Aufwand machbar: Weiße Farbe und einige Pylone würden genügen, so der ADFC.

Die Interessenvertretung von Radfahrern verweist bei dieser Gelegenheit darauf, dass bereits 2004 der Bau von beidseitigen Radverkehrsanlagen beschlossen wurde. Bis 2008 habe diese fertiggestellt werden sollen. Nachdem dies nicht der Fall ist, möchten sich die organisierten Radfahrer nicht weiter vertrösten lassen. Es sei nicht hinnehmbar, dass das Problem an der Magistrale durch Stadtfeld womöglich erst nach Abschluss der Tunnelbaustelle 2020 angegangen wird.

2300 Radfahrer täglich

Bei den steigenden Zahlen an Radfahrern müsse umgehend und schnell gehandelt werden, um weitere Unfälle zu verhindern. Dabei beruft sich der ADFC auf eine Verkehrszählung aus dem Jahr 2002. Die hatte ergeben, dass die Straße trotz ihrer schlechten Bedingungen täglich von bis zu 2300 Radfahrenden genutzt wird. Seitdem sei das Radverkehrsaufkommen in Magdeburg weiter angestiegen.

Der Hauptgrund für die starke Nutzung der Straße sei, dass es für Radfahrende keine Ausweichmöglichkeiten gibt. „Stadtfeld hat eine kaum zumutbare Radinfrastruktur. Ein Großteil der Straßen hat noch immer Kopfsteinpflaster und die Goethestraße als Ausweichstrecke liegt abseits vieler Einkaufsmöglichkeiten“, so Norman Dreimann.

Konflikte auf dem Fußweg

Dies führt häufig zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrenden: „Radfahrende, die sich auf der Großen Diesdorfer Straße nicht sicher fühlen, weichen häufig auf den Fußweg aus und werden zum Problem der Fußgänger. Das kann keine Lösung sein. Wir brauchen eine Lösung für alle Verkehrsteilnehmer und dafür braucht jeder Platz“, so der Vorsitzende des Magdeburger ADFC beim Blick auf die Forderung nach einer physischen Trennung von Auto-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr an der Großen Diesdorfer Straße.

Eine komplette Trennung aller Verkehrsarten dürfte sich auch beim geplanten Ausbau der Großen Diesdorfer Straße als schwierig erweisen: Um den öffentlichen Personennahverkehr zu beschleunigen, ist nämlich in den vergangenen Jahren womöglich der Autoverkehr von den Straßenbahngleisen heruntergenommen worden. Und genau dort würden künftig die Autos fahren. Denn weiter nach außen kann der Straßenraum der Großen Diesdorfer aufgrund der an vielen Stellen eng an der Straße stehenden Bebauung nicht durchgängig verbreitert werden.