Schönebeck l Es ist ganz still in der Schönebecker Stadtbibliothek. Die Erst- bis Viertklässler der Tolberg-Grundschule vergraben ihre Gesichter in den vor ihnen liegenden Bücher. Einer von ihnen, Christoph Kuhlmann, hält lachend einen knallgelben Einband in die Höhe. „Ein Faultier geht zur Schule“, liest er vom Umschlag ab und grinst.

So ganz passt der Titel nicht zu ihm. „Christoph ist wirklich alles andere als faul. Er ist ziemlich gut in der Schule“, bestätigt die stellvertretende Schulleiterin Veronika Hansl. Dass Christoph schulisch etwas drauf hat, liegt vermutlich auch daran, dass er seit jeher liest. „Ich habe vor der ersten Klasse schon eine Bibliothekskarte gehabt“, sagt er.

Idealvorstellung der Leiterin

Eine Leseratte wie Christoph – das ist die Idealvorstellung von Bibliotheksleiterin Gerlinde Maier: „Ob Buch, Tablet oder am Computer, Lesen ist wichtig – und wir wollen in der Bibliothek die Freude am Lesen wecken.“ Das ist nicht ganz neu, Schulen und Kindergärten gehören zur Stamm-Klientel der Stadtbibliothek. Ziemlich neu wiederum ist die Kooperationsvereinbarung, die im Schönebecker Lesetempel auf den Weg gebracht wird.

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Veronika Hansl und Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch setzen ihre Unterschriften unter das Papier. Und was genau ist das Ziel der Kooperation? „Die Kinder sollen wissen, dass wir immer für sie da sind. Wir möchten gemeinsam mit der Tolberg-Schule in Zukunft Projekte realisieren, Führungen, Bücherkisten anbieten und in die Bibliotheksnutzung einführen,“ erklärt Bibliothekschefin Gerlinde Maier.

Bert Knoblauch hält die Kooperation zwischen der städtischen Einrichtung und der Grundschule für eine gute Idee. „Dass das geschriebene Wort hier so im Mittelpunkt steht, ist nicht selbstverständlich in diesen Zeiten.“

Gerlinde Maier weiß um die Tücken der Vereinbarung: „Wenn wir wollen, dass die Zusammenarbeit funktioniert, müssen wir auch die Eltern ins Boot holen. Und das Kollegium der Schule muss selbstverständlich hinter diesem Projekt stehen. Sonst bleibt es einseitig.“ Veronika Hansl verspricht, sich darum zu kümmern. „Ich möchte, dass jeder Erstklässler einen Bibliotheksausweis besitzt. Die Kinder sollen wissen, wie sich Bücher anfühlen und wie sie riechen.“

Bücher sind selbstverständlich?

Für viele Grundschüler ist das keine Selbstverständlichkeit. Während in der Schule Bücher (noch) zum selbstverständlichen Inventar des Lehr- und Lernbetriebs gehören, steht bei manch einem zuhause kein einziges Buch mehr im Regal.

Gerlinde Maier: „Die Elternhäuser sind gefragt. Wir können die Lesebegeisterung nicht allein vermitteln.“ Hinzu kommt: An der Tolberg-Schule werden viele Schüler mit einem Migrationshintergrund unterrichtet. Auch ein Grund, warum die Grundschule (als zweite Schule in Schönebeck neben der Freien Waldschule Elbenau) eine Kooperation mit der Bibliothek beginnt. „Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist – das ist eine Herausforderung auch für uns“, sagt die Bibliotheksleiterin. Denn spezielle Lehrbücher für Kinder mit Migrationshintergrund müssen auch sie zunächst kennenlernen.

Zunächst aber bekommen die Leseratten im Rahmen der Unterzeichnung der Kooperation fünf Bücher von der Stiftung Lesen geschenkt. Die Lehrerin freut sich über die Spende. Und die kommt gut an. Nicht zuletzt bei Christoph. Der findet noch immer Gefallen an seinem „Faultier“-Buch.