Wernigerode l Viele Wernigeröder stören sich derzeit an den Tauben, die die Altstadt bevölkern. „Sie sitzen auf den Dachgauben und verschmutzen mit ihrem Kot die Fassaden der Häuser und die Fußwege unter ihnen“, sagt eine Anwohnerin. „Und es werden immer mehr.“ Besonders in den Morgenstunden, wenn noch nicht so viele Leute in der Innenstadt unterwegs sind, beobachte sie das. Die Tiere hätten ihre natürliche Scheu vor den Menschen längst verloren, würden sich nicht verjagen lassen, so die Wernigeröderin. „Sie sind richtig frech und lästig.“

Im Wernigeröder Ordnungsamt ist das „Tauben-Problem“ bekannt. „Ein gewisses Maß solcher Tiere in Innenstädten ist normal“, sagt Ordnungsdezernent Volker Friedrich im Volksstimme-Gespräch. Die Taubenpopulation in Wernigerode sei immer mal wieder Thema.

Schalenturn für Tauben dicht

Vor Jahren hatten sich etliche Vögel beispielsweise in einem der Schalentürme am Vorwerk eingenistet. Der Zugang wurde inzwischen verschlossen. „Diese Vögel ziehen immer dahin, wo sie nicht gestört werden“, so Friedrich.

„Was wir hier in der Stadt haben, sind keine katastrophalen Erscheinungen. Aber man muss das beobachten.“ Der Ordnungsdezernent rät jedoch dringend davon ab, die Tauben zu füttern – wie in den letzten Wochen vorgekommen. „Es gibt da einige vermeintliche Tierfreunde, die Körner in der Fußgängerzone verstreuen. Diese Fütterungen müssen wir unterbinden.“ Durch das Futterangebot würden noch mehr Tiere in die Innenstadt gelockt, das sei nicht gewollt.

Hohes Infektionsrisiko

Hintergrund: Verwilderte Tauben bergen ein hohes Infektionsrisiko. Der Kot der Tauben beinhaltet Krankheitserreger, die durch das Ausscheiden in der Luft frei gesetzt und vom Menschen eingeatmet werden können. Die gefiederten Tiere sind nicht selten mit Parasiten wie Zecken oder Milben befallen. Darüber hinaus ist der Kot ätzend, was die Fassaden von Gebäuden schädigen kann. Kommunen haben die Möglichkeit, ein Taubenfütterungsverbot auszusprechen, um die Taubenpopulation einzudämmen. Wie beispielsweise in Halberstadt, wo das Füttern von wildlebenden Tieren, wie Tauben, Mardern, Füchsen und Wasservögeln laut Gefahrenabwehrverordnung im Stadtgebiet verboten ist.