Barleben l Mit Trillerpfeifen und Plakaten machen die Angestellten von Daume und Strack am Donnerstagmittag ihrem Ärger über die angekündigte Schließung ihrer Unternehmen noch in diesem Jahr Luft.

70 Arbeitsplätze würden damit verloren gehen. „Die Nachricht haben wir im Februar bekommen, nachdem der neue Geschäftsführer Arnd Müller uns noch im Januar bei seiner Vorstellung erklärt hat, dass wir Mitarbeiter das wichtigste Kapital der Firma sind“, sagt Betriebsratsmitglied Armin Grüning.

Die Gründe für die Schließung sollen Managementfehler sein, durch die ein Auftragsrückgang in den vergangenen Jahren zu verzeichnen gewesen sein soll. „Auch entstandene Verluste wurden durch das Management verursacht, so wurden am Standort Barleben jede Menge Überstunden geleistet und im Partnerunternehmen in Volkmarsen Kurzarbeit eingeführt. Für uns sind das unverständliche Entscheidungen“, sagt auch Stephanie Gärtner, ebenfalls Mitglied im Betriebsrat.

Standorten droht Schließung

Durch die Kurzarbeit hätten die Firmen Zuarbeiten für Aufträge in Barleben nicht termingerecht liefern können, so dass dem Unternehmen ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sein soll. „Wir in Barleben hatten zu keinem Zeitpunkt auf betriebliche Entscheidungen Einfluss“, sagt Armin Grüning.

Zur Unterstützung der Mitarbeiter waren am Donnerstag auch Mitglieder der IG Metall nach Barleben gekommen. Thomas Weber, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall in Magdeburg, sicherte den Mitarbeitern die Hilfe der Gewerkschaft zu.

„Die Auftragslage ist gut, auch wenn es 2016 rote Zahlen gegeben hat. Dafür kann man aber nicht die Mitarbeiter verantwortlich machen“, sagt er.

70 Arbeitsplätze betroffen

Daume und Strack fertigen Armaturen im Industrieformat, unter anderem auch große Hähne für Chemieanlagen. „Die Weiterführung der Produkte, die bisher in Barleben gefertigt werden, ist aus technischen Gründen in Volkmarsen begrenzt oder gar nicht umsetzbar. Den Kunden wird jedoch eine bessere und termintreuere Lieferung durch die Übernahme der Aufträge in Volkmarsen versprochen“, sagt Grüning.

Mit der Muttergesellschaft im niedersächsischen Volkmarsen finden derzeit Gespräche statt. „Der Betriebsrat befindet sich in Verhandlungen mit der Geschäftsführung. Bisher gibt es keinen Sozialplan und keine Auskunft, wie es weitergehen soll. Auch Alternativen zur Schließung hat die Geschäftsführung uns bisher nicht genannt“, sagt Thomas Weber.

Gemeinsam mit Grüning und Gärtner kritisiert er die Informationspolitik des Managements. „Uns fehlen wichtige Informationen und Unterlagen zur wirtschaftlichen Lage der Unternehmen in Barleben.

Gespräche mit Muttergesellschaft laufen

Seiner Informationspflicht kommt der Konzern nur bedingt bis gar nicht nach“, sagt Armin Grüning. Der Betriebsrat will in den kommenden Monaten um die Arbeitsplätze und um angemessene Abfindungen für die Mitarbeiter der beiden Unternehmen in Barleben kämpfen.

Unter den Unterstützern der Mitarbeiter von Daume und Strack war auch Andreas Höppner, Landtagsabgeordneter der Partei Die Linke und Ex-Betriebsratsvorsitzender bei Fricopan. Das Unternehmen im altmärkischen Immekath wurde 2016 ebenfalls geschlossen.

„Ihr müsst jetzt zusammenstehen und um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Und wenn das nicht klappt, dann verkauft euch so teuer wie möglich“, rät er den Mitarbeiterin in Barleben.

Herbert Bartholomé ist Personalmanager bei der Valve Group, die zur Industrial Division der Curtiss-Wright gehört, einem US-amerikanischen Unternehmen. Zu diesem Unternehmensverband gehören auch die Barleber Unternehmen.

Gewerkschaft vor Ort

Bartholomé beantwortet die Anfrage der Volksstimme zu den Vorwürfen von Betriebsrat und IG Metall schriftlich so: „Die Behauptungen der IG Metall sind unrichtig. Wir haben trotz erheblicher Anstrengungen der neuen Geschäftsleitung massive Auftragsverluste hinnehmen müssen.

Am Standort Barleben konnte nicht zu konkurrenzfähigen Preisen produziert werden. Die seit mehreren Wochen andauernden Beratungen mit den Betriebsräten über die Schließung werden nun in der Einigungsstelle fortgesetzt. Dies gilt auch für die Verhandlungen über einen Sozialplan.”

Auf telefonische Nachfrage der Volksstimme zu den Vorwürfen von Betriebsrat und IG Metall wollte Bartholomé sich nicht weiter äußern.