Wenigerode l Ein kurzes Zucken, ein leichter Schreck: Das sind die ersten Gefühlsregungen beim Blick auf das Passfoto von Kilian von Schleinitz, das der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) auf seiner Internetseite in der Rubrik Skeleton-Athleten hochgeladen hat. Von Schleinitz ist ja erst 20 Jahre jung, aber er wirkt auf dem Foto noch viel jünger. Trotzdem gehört er nun zur neuen Weltcup-Generation der Kopf-über-in-den-Kanal-Fahrer, die sich bereits am Montag vergangener Woche zu ihren ersten Saisonwettbewerben aufgemacht hat. "Die jungen Athleten müssen erst die Bahnen kennenlernen", begründete Christopher Grotheer den frühen Aufbruch nach Calgary (Kanada) und nach Lake Placid (USA), wo am Wochenende die neue Wintersaison startet.

Kilian von Schleinitz vom WSV Königssee also, Axel Jungk (BRC Riesa/23 Jahre) und der Wernigeröder Grotheer, auch erst 22, werden die deutschen Farben auf internationaler Bühne vertreten, kein Etablierter mehr wie Frank Rommel, der zurückgetreten ist. Dagegen ist Alexander Kröckel noch verletzt, und Alexander Gassner hat sich aufgrund seiner schwachen Startzeiten nicht qualifiziert. "Auf Startzeiten wird jetzt sehr viel Wert gelegt", berichtete Grotheer, der auf seine Resultate besonders gut zu sprechen ist: "Ich habe auf allen B ahnen während der Weltcup-Qualifikation meine Startrekorde gebrochen. Meine Werte stimmen einfach."

Grotheer ist nun, trotz seiner jungen Jahre, aufgrund seiner Teilnahmen an Weltcup-Rennen oder an der WM 2013 in St. Moritz (Schweiz) der Erfahrendste in einer Mannschaft, durch die im Sommer ein äußerst starker und frischer Wind des Umbruchs wehte - nicht nur bei den Athleten. "Ich habe mit René Hoppe einen neuen Athletiktrainer. Und natürlich musste man sich erst aneinander gewöhnen", sagte Grotheer. Aber Hoppe, der ehemalige Anschieber von Bob-Olympiasieger André Lange, hat Grotheers Training mit Erfolg umgestellt, nachdem sich der Skeleton-Pilot im Vorjahr vor allem mit muskulären Problemen plagte. "Komplett gesund bin ich dennoch nicht durch die Vorbereitung gekommen", sagte er, "aber ich kenne niemanden in unserem Sport, der das von sich behaupten könnte."

Der körperliche Schmerz ist das eine, die Gedanken an einen schwierigen Winter 2013/14 das andere. "Über die vergangene Saison habe ich oft nachgedacht", sagte Grotheer, der schlussendlich die Olympischen Spiele in Sotschi verpasst hatte. "Dafür hatte es einfach nicht gereicht, daraus muss ich lernen."

Er will nicht mehr so verbissen rangehen, er will sich die nötige Lockerheit wahren, er will die Erwartungen an sich selbst nicht zu hoch setzen. Womöglich kommt der frische Wind im Team ihm zu Gute, "wir sind eine gute Truppe mit einer flachen Hierarchie", sagte Grotheer, der für den BSR Oberhof startet. Und das Ziel? "Ich lasse alles auf mich zukommen." Auch die Weltmeisterschaft, die vom 23. Februar bis 8. März in Winterberg ausgetragen wird.