New York (dpa) l Rund ein Jahrhundert lang lagen die Überbleibsel des beliebten deutschen Biergartens "Atlantic Garden" verschüttet und vergessen zwei Meter tief im New Yorker Boden - bis jetzt.

Ein schickes neues Hotel mit 22 Stockwerken soll auf dem Grundstück entstehen. Während der Bauarbeiten dürfen Archäologen in der Erde buddeln. In nur etwas mehr als einer Woche entdeckten sie Hunderte Überbleibsel. "Es sind erstaunlich gut erhaltene Stücke dabei, einige sind sogar intakt", sagt Alyssa Loorya, die Chefin eines kleinen Archäologie-Büros ist. Kleine grüne Likörflaschen haben sie und ihre Kollegen zum Beispiel aus der Erde geholt, Scherben und Stücke von Tellern, Tassen, Wasserflaschen und Krügen sowie einige bräunliche Flaschen, auf denen gut lesbar die Worte "Bürgerspital Würzburg" stehen. Ein Weingut mit diesem Namen besteht dort noch immer.

1858 wurde der "Atlantic Garden" von dem deutschen Einwanderer William Kramer eröffnet, über den heute nur noch sehr wenig bekannt ist. Zwei Söhne und vier Töchter habe er gehabt, schrieb die "New York Times" 1900. Der Standort seines Biergartens lag damals noch am Rand des entwickelten Teils Manhattans, die Bowery war die einzige Zufahrtsstraße.

Viele deutsche Einwanderer hatten sich in der Gegend angesiedelt. Im geplanten neuen Hotel an der Stelle soll der "Atlantic Garden" wieder eine prominente Rolle spielen. Der Bauherr will die gefundenen Stücke in das Hotel integrieren und vielleicht sogar eine kleine Ausstellung organisieren. Da sage einer, die junge Weltsstadt New York habe keine Geschichte.