Leipzig (dpa/epd/cm) | Der frühere Leipziger Nikolaikirchen-Pfarrer Christian Führer, Schlüsselfigur der friedlichen Revolution in der DDR, ist tot. Der 71-Jährige starb am Montag nach schwerer Krankheit in Leipzig. Führer war einer der wichtigsten Akteure des Herbstes 1989 in der DDR. Als Pfarrer öffnete er damals die Nikolaikirche für Friedensgebete und Gesprächskreise. Die Kirche war einer der Ausgangspunkte der Montagsdemonstrationen, die das Ende der DDR einläuteten.

Führer war am Montagmorgen in die Notaufnahme des Universitätsklinikums Leipzig gebracht worden. "Leider konnte hier trotz aller ergriffenen Maßnahmen nur noch der Tod festgestellt werden", teilte die Klinik mit. Nach Angaben der "Leipziger Volkszeitung" litt Führer seit zwei Jahren an einer schweren, sogenannten Lungenfibrose, einer schleichenden Erkrankung des Lungengewebes.

Führer, der durch seine prägende Rolle bei den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989 große Bekanntheit erlangte, litt an einer schweren Lungenerkrankung.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion und ehemalige Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kathrin Göring-Eckardt, nannte Führer eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der friedlichen Revolution. "Seine aus dem christlichen Glauben gewonnene Kraft, sich friedlich gegen den Unrechtsstaat und für mehr Demokratie, für eine gerechte, menschenwürdige Politik einzusetzen, hat viele Menschen ermutigt und inspiriert", sagte Göring-Eckardt und drückte der Familie des Verstorbenen ihr Beileid aus.

Sachsens Ministerpräsident Stansilaw Tillich (CDU) erklärte, Führer habe als Pfarrer der Nikolaikirche in Leipzig "mit Friedensgebeten und Öffnung der Kirche für Oppositionskreise entscheidend zur Stärkung des Engagements für Freiheit und Demokratie beigetragen". Es erfülle ihn mit Trauer, dass Führer das Gedenken an die erfolgreiche friedliche Revolution vor 25 Jahren nicht mehr persönlich erleben könne. "Seine Verdienste bleiben unvergessen", sagte der Ministerpräsident. "Mit tiefem Bedauern haben wir von seinem Tod erfahren", sagte auch Matthias Oelke, Sprecher der sächsischen Landeskirche. Führer schaue auf ein "großes Lebenswerk" zurück, fügte er hinzu.

Führer öffnete die Kirche für Nichtgläubige


Führer wurde 1943 in Leipzig geboren und wuchs in einer Pfarrersfamilie auf. Nach seinem Theologiestudium arbeitete der evangelische Seelsorger unter anderem im sächsischen Colditz, bevor er 1980 an die Nikolaikirche kam. Dort startete er die sogenannten Friedensgebete, die zu einer wöchentlichen Einrichtung wurden. Sie gelten als Initialzündung für die großen Montagsdemonstrationen, die schließlich das Ende der SED-Herrschaft einläuteten. Bekannt wurde er auch für die Einladung aller Menschen in die Kirche, welche sich in dem Schild "Nikolaikirche – offen für alle" manifestierte.

"Sein Mut war und ist beispielhaft", sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhardt Jung (SPD). Er habe ihn als "einen Menschen erlebt, der im festen Vertrauen auf seinen Glauben das Unmögliche nicht nur zu denken wagte", würdigte Jung den Verstorbenen. Die Stadt habe Führer für sein Wirken viel zu verdanken, der einstige Nikolaikirchenpfarrer sei auch ihm persönlich ein guter Ratgeber gewesen, sagte Jung.

Erst in der vergangenen Woche war Christian Führer gemeinsam mit Christoph Wonneberger stellvertretend für alle Beteiligten der Montagsdemonstrationen mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnet worden. An der Preisverleihung in Berlin hatte er aus gesundheitlichen Gründen aber schon nicht mehr teilnehmen können.