Kiew/Charkow/Den Haag (dpa) l Die ersten Opfer des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine werden an diesem Mittwoch in den Niederlanden eintreffen. Das Land übernahm am Dienstag offiziell auch die Leitung der internationalen Untersuchung zur Absturzursache von Flug MH17 von Malaysia Airlines. Die Ukraine habe darum gebeten, sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte in Den Haag. Die ukrainische Führung in Kiew ordnete eine weitere Teilmobilmachung an, um den Druck auf die prorussischen Separatisten im Osten zu erhöhen.

Die Außenminister der Europäischen Union (EU) gaben Russland eine Mitschuld am mutmaßlichen Abschuss der Boeing 777-200 mit 298 Menschen an Bord. Bei einem Treffen in Brüssel bereiteten die Minister zwar schärfere Sanktionen gegen Moskau vor, verhängten sie aber noch nicht.

Transport nach Eindhoven

Ein Kühlzug mit den Leichen der Passagiere und Besatzungsmitglieder traf am Dienstag in der ostukrainischen Stadt Charkow ein, die von der Regierung in Kiew kontrolliert wird. Am Flughafen stand ein niederländisches Transportflugzeug bereit. Nach einer Untersuchung in Charkow sollten alle Opfer gruppenweise nach Eindhoven unweit der deutschen Grenze ausgeflogen und dann in einer Kaserne nahe Amsterdam identifiziert werden.

"Wir wollen das so gut wie möglich und so schnell wie möglich machen", sagte Rutte. Wie lange die Identifizierung dauern wird, ist unklar. "Manchmal geht das schnell, aber es kann auch Wochen oder sogar Monate dauern", sagte der Premier. Allein die Niederlande hatten bei dem Absturz 193 Tote zu beklagen.

Der Sonderzug war am Montagabend in der Stadt Tores nahe der Absturzstelle abgefahren. Nach Angaben Ruttes waren auch die Flugschreiber der Boeing im Zug. Die Separatistenführung in Donezk hatte die Black Boxes in der Nacht an eine Delegation aus Malaysia übergeben. Separatistenführer Alexander Borodaj bestritt erneut, dass Aufständische das Flugzeug abgeschossen hätten. "Wir haben nicht die technische Fähigkeit, dieses Flugzeug zu zerstören."

Putin verlangt Feuerpause

Der russische Präsident Wladimir Putin verlangte von Kiew eine Feuerpause, solange in der Ostukraine nach der Absturzursache gesucht wird. Bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates in Moskau sagte Putin, Russland versuche auf die Separatisten einzuwirken, damit diese eine vollständige Aufklärung ermöglichen. Poroschenko hatte am Montag eine Waffenruhe verkündet, die auf 40 Kilometer im Umkreis um die Absturzstelle gelten sollte. Am Rande dieser Zone gab es allerdings heftige Gefechte, auch in der Großstadt Donezk.

Die EU-Außenminister in Brüssel kritisierten Russland scharf. "Russland hat seine Verabredungen nicht in dem erforderlichen Maße erfüllt", sagte der deutsche Minister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die EU sei bereit, mit allen diplomatischen Mitteln zu einer Entschärfung der Krise beizutragen. "Aber es wird notwendig sein, diese Bereitschaft zu begleiten durch höheren Druck, das heißt auch in schärfere Maßnahmen einzutreten." Russland habe seine Grenze zur Ukraine nicht für Waffen und Kämpfer geschlossen.