München - Nach dem Rücktritt seiner Staatskanzleichefin Christine Haderthauer will Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sehr schnell die Nachfolge klären.

Spätestens bis zur ersten Kabinettssitzung nach der Sommerpause am kommenden Dienstag (9. September) werde die strategisch wichtige Personalie klar sein, verlautete am Dienstag aus CSU-Kreisen. SPD und Grüne schlugen indes vor, den Posten zu streichen.

Die Opposition will den Druck auf Seehofer und die CSU aufrecht erhalten. Sie besteht auch nach Haderthauers Rücktritt auf der für den 16. September beantragten Sondersitzung des Landtags. "Eine zeitnahe parlamentarische Aufbereitung in einer Sondersitzung ist eine demokratische Selbstverständlichkeit nach der 14 Monate andauernden Staatsaffäre", sagte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Zudem wollen SPD, Freie Wähler und Grüne an dem bereits eingesetzten Untersuchungsausschuss zu dem Fall festhalten.

Haderthauer stellte klar, dass sie ihr Landtagsmandat behalten will. Als denkbare Staatskanzlei-Nachfolger wurden in CSU-Kreisen am Dienstag vor allem zwei junge Staatssekretäre gehandelt: Georg Eisenreich (Bildung) und Albert Füracker (Finanzen/Heimat). Genannt, aber für unwahrscheinlicher gehalten wurde auch Umweltminister Marcel Huber, der das Amt schon einmal innehatte. CSU-Europagruppenchefin Angelika Niebler ist nach Angaben aus Parteikreisen aus dem Rennen - sie wolle ihr neues Amt in Brüssel behalten.

Als Nachrücker ins Kabinett - entweder direkt in Haderthauers Amt oder auf ein dann freiwerdenden Posten - wurden mehrere Abgeordnete genannt: Fraktionsvize Kerstin Schreyer-Stäblein, der Innenexperte Florian Herrmann, Ingrid Heckner und Ulrike Scharf. Alle vier stammen aus Oberbayern - es galt als einigermaßen sicher, dass Seehofer einen Haderthauer-Nachfolger oder eine Nachfolgerin aus Oberbayern benennt.

Rinderspacher forderte Seehofer auf, auf eine Nachbesetzung komplett zu verzichten: "Der Ministerpräsident sollte Frau Haderthauers Geschäftsbereich im Sinne schlanker Strukturen einem anderen Kabinettsmitglied zuschlagen." Es dränge sich die Frage auf, warum Seehofer Haderthauer nicht viel früher entlassen habe.

Haderthauer war wegen der seit Wochen schwelenden "Modellauto-Affäre" am Montagabend "mit sofortiger Wirkung" zurückgetreten. Sie müsse sich nun auf die Klärung der aufgeworfenen Fragen konzentrieren. Außerdem begründete Haderthauer ihren Rücktritt damit, dass ihr Regierungsamt ansonsten von der Affäre komplett überlagert worden wäre. Sie sei aber weiterhin überzeugt, dass sie die juristischen Vorwürfe vollständig ausräumen könne, betonte die 51-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen Haderthauer. Hintergrund ist eine Anzeige, die der frühere Mitgesellschafter der Firma Sapor Modelltechnik eingereicht hat. Darin wirft der Geschäftsmann Roger Ponton Hubert und Christine Haderthauer vor, ihn um mehrere 10 000 Euro geprellt zu haben. Die Firma verkaufte Luxus-Modellautos, die von Straftätern in der Psychiatrie hergestellt wurden. Haderthauer hatte vor einigen Wochen von einem "von Idealismus getragenen Engagement" gesprochen - eine Äußerung, die auch Seehofer deutlich kritisierte.