Von "Olvenstedt probiert`s" bis "The Kraut"

Das Ensemble Kammerspiele Magdeburg in Trägerschaft von Kult e.V. gründete sich im August 2014. Derzeit läuft die erste Spielzeit des neuen Ensembles.

Gründer des Kult e.V. waren 2003 vier Magdeburger der freien Theaterszene in der Stadt: Dirk Heidecke, Susanne Bard, Meyke Schirmer und Michael Günther.

Zu den Produktionen des Vereins gehören unter anderen das Kultstück "Olvenstedt probiert`s", das bereits seine 21. Produktion feierte, "Menü für Margot", "Ein Vormittag in der Freiheit".

Im Stück "The Kraut" über Marlene Dietrich begeisterte Susanne Bard mehr als 30 Mal. Nächste Vorstellung: 11. März im Forum Gestaltung.

"Abraham" hat am 20. Februar Premiere im Blüthnersaal, Nebeneingang der Stadthalle Magdeburg. Weitere Vorstellungen: 21., 26., 27. und 28. Februar.

Kontakt: info@kammerspiele-magdeburg.de

Magdeburg l Susanne Bard und Jörg Schüttauf zwischen Klavier und Notenständern. Sie trägt schwarzes Hütchen mit zartem Tüll, er Zylinder und hellen Schal. Beide proben auf der Bühne des Blüthnersaales in der Stadthalle. Es sind die Endproben. Am Freitag ist Premiere für die Uraufführung von "Abraham".

Schüttauf verkörpert den Komponisten Paul Abraham, Susanne Bard schlüpt in zahlreiche Frauenrollen. Die beiden Schauspieler lassen das Leben des 1892 in Apatin (Österreich-Ungarn) geborenen Komponisten Revue passieren.

Abrahams Biografie war anfangs geprägt von musikalischen Erfolgen und Wohlstand. Seine Operetten wurden in ganz Europa gefeiert. "Blume von Hawaii", "Ball im Savoy", "Viktoria und ihr Husar". Er war einer der großen Komponisten der Unterhaltung. 1933 endete die Zeit des gefeierten Stars. Abraham war Jude, er wurde von den Nationalsozialisten vertrieben, flüchtete über Budapest, Paris, Casablanca, Havanna. New York wurde eine seiner Lebensstationen. An seine Erfolge konnte er in Übersee nicht anknüpfen, er wurde geistig krank, landete in der Psychiatrie. Mit dem sogenannten Flugzeug der Verdammten kam er 1956 aus Amerika zurück nach Deutschland. Wieder Psychiatrie. 1960 endete das tragische Leben des Paul Abraham.

Dirk Heidicke, Theater- und Hörspielautor, Songschreiber und Magdeburger Kultautor, ist bei Recherchen zu einem anderen Stück auf das Leben dieses Mannes gestoßen, begann zu recherchieren. "Das Thema hat mich gepackt. Ich wollte, dass wir das Stück machen", sagt Heidicke. Er schrieb "Abraham" - und Susanne Bard schriebt Jörg Schüttauf an. Beide kennen sich aus ihrer Leipziger Schauspielstudentenzeit. "Ich hatte Zeit und vor allem Lust", sagt Schüttauf. Der Charaktermime ("Arnies Welt", "Lenz", "Viel Spaß mit meiner Frau", Ex-Tatort-Kommissar Fritz Dellwo), der im Moment mehr Theater spielt, als er vor der Filmkamera steht, sagte den Magdeburgern zu.

Kannte Schüttauf Aufstieg und Fall des Komponisten? "Die Melodien ja. Daran kommt man nicht vorbei, aber der Name sagte mir nichts." Jetzt ist der gebürtige Karl-Marx-Städter dieser Abraham. Er spricht von einer bewegenden Biografie.

Autor Dirk Heidicke hat Biografisches und zu Anekdoten gewordene Geschichten verarbeitet. Abraham erinnert sich in Heidickes Stück an schöne und an dunkle Jahre. Die Tragikomödie "Abraham" springt durch die Zeiten zwischen 1928 und 1957. Wohlstand, Erfolge, dann traurige Gedanken und krankheitstrunkene Bilder. "Innerhalb von Sekunden wechselt das Geschehen von einem blühenden jungen Menschen in einen alten Mann voller Tristesse", sagt Regisseur Klaus Nowack. Nowack spricht von Pixeln, die der Autor vorgibt, 50 Szenen sind es an der Zahl. "In so kurzen Bildern den ganzen Abriss eines Lebens zu zeigen, das habe ich noch nie gemacht", sagt Schüttauf zu seiner Rolle.

Gesungen wird auch. Für Susanne Bard ist das nicht neu. Und für Schüttauf? "Das bin ich nicht gewöhnt. Aber ich habe mit meiner Zusage nicht gezögert, auch, weil ich Jens-Uwe Günther kenne." Günther sitzt im Stück am Klavier. "Er war in meinem Schauspielstudium der Gesangs- und Chansonlehrer, der mich innerhalb von zwei Wochen von einer 4 auf eine 1 gebracht hat." Schüttauf schmunzelt und merkt dann an, er spiele ja einen Komponisten. Aber eine gewisse rhythmische Begabung schlummere in ihm.

Aus ihm spricht Spielspaß. Schüttauf sagt, ihn habe von Anfang an das kleine Ensemble gereizt, kein großer Theaterbetrieb. "Das hier ist spannend. Das ist wie eine Familie."

"Ich denke, wir schaffen etwas Interessantes, auch etwas Anrührendes", sagt der Mime. Sein Terminkalender ist voll. Fünf Vorstellungen sind bis dato geplant.