Magdeburg l An vielen Hausfassaden in Sachsen-Anhalt klebt eine Dämmung aus Styroporplatten. Der Kunststoff ist billig und besitzt gute Dämmeigenschaften, aber besonders umweltfreundlich ist er nicht. Denn die Umweltbilanz ist schlecht. Um ein Kilogramm Styropor zu produzieren, sind rund fünf Kilogramm Erdöl nötig.

Dachdecker Frank Karwath aus Magdeburg empfiehlt seinen Kunden keine Styropor-Dämmungen mehr. "Styropor ist stark brennbar. Besonders bei hohen Fassaden schlagen wir Alternativen vor", sagt er. Zudem sei der Schallschutz bei den dünnen Platten schlecht und es gebe Probleme, den Stoff wiederzuverwerten. Karwath schwört auf sogenannte Mineralwollen mit Glas- oder Steinanteil. "Sie sind leicht zu verarbeiten und recht resistent gegen Einflüsse von außen", erklärt der Dachdecker. Generell sei es beim Dämmen wichtig, dass "vollflächig ausgedämmt und wind- und dampfdicht verschlossen wird", so Karwath.

Neben den konventionellen Dämmungen werden nachwachsende Dämmstoffe immer mehr nachgefragt. Auch mit Stroh, Hanf, Schilf oder Holzspänen können Häuser isoliert werden. Bislang liegt der Marktanteil dieser Dämmstoffe in Deutschland allerdings nur bei fünf Prozent. "Diese Materialien können aber durchaus mit konventionellen Dämmstoffen mithalten", sagt Helmuth Wiehe von der Magdeburger Niederlassung des Hausbauunternehmens FIBAV.

Bei Neubauten regt Wiehe noch eine weitere Dämmmethode an: den monolithischen Wandaufbau. Dabei wird ein Ziegel verwendet, der mit Perlit gefüllt ist. Perlit ist ein natürliches Mineral, das durch unterseeische Vulkantätigkeit entstanden ist und dem besonders gute Dämmeigenschaften nachgesagt werden. "Ein Vorteil dieser Bauweise ist, dass es nur eine Dämmschicht gibt und sich in Zwischenräumen kein Wasser ansammeln kann", so Wiehe.

Entscheidend für eine funktionierende Dämmung eines Hauses ist der sogenannte U-Wert (früher: K-Wert). Dieser Wärmedurchgangskoeffizient bemisst den Wärmefluss durch Materialien. Mauerwerk und Fenster sollten über denselben Wert verfügen. "Stellen die Fenster eine bessere Dämmung dar als das Mauerwerk, dann schlägt sich Feuchtigkeit im Raum nieder", erklärt Jens Haberland vom Unternehmen Magdeburger Türen und Fenster mit Sitz in Barleben. Seinen Kunden empfiehlt er Fenster mit Dreifachverglasung und mit einem dämmenden Fensterrahmen.

Kein Steuerbonus für Gebäudesanierung


Bei allen Neuerungen, einen Dämpfer bei der Dämmung müssen auch die Besucher auf der Landesbauausstellung schlucken. Denn der milliardenschwere Steuerbonus für das Dämmen von Gebäuden - den Bund und Länder eigentlich schon beschlossen hatten - ist vorerst gestoppt worden. Der Koalitionsausschuss kippte am Dienstag die Förderung der energetischen Gebäudesanierung. Ursprünglich sollte der neue Bonus Bund und Länder etwa eine Milliarde Euro pro Jahr kosten und fünf Jahre laufen. Rückwirkend ab Januar sollten Hausbesitzer bis zu 25 Prozent ihrer Sanierungskosten für eine neue Heizung oder eine verbesserte Dämmung von der Steuerlast abziehen können.