Stendal l Täglich sitzen bis zu zehn Rückenschmerzgepeinigte in der Notaufnahme des Johanniter-Krankenhauses in Stendal. "Die wenigsten gehören dort wirklich hin", sagt Dr. André Benthien, Chefarzt für Orthopädie des Johanniterkrankenhauses Genthin-Stendal. Denn nach schwerer Gartenarbeit, einem Umzug oder nach Schwitzen bei kühler Zugluft dürfe der Rücken sich auch melden. Dann reiche in der Regel ein Schmerzmittel aus der Apotheke. Aber auch alternative Heilmethoden wie Chiropraktik, Osteopathie oder Akupunktur können für Linderung sorgen, müssen aber oft selbst bezahlt werden.

"Nach zwei bis drei Tagen bei leichter Bewegung ist es dann oft weg", erklärt er. Die erste Anlaufstelle bei Rückenschmerzen sollte daher der Hausarzt sein, denn der könne anders als die Notaufnahme Physiotherapie verschreiben. Diesem sollte geschildert werden, wie man seinen Rücken in den Vortagen belastet habe und wie viel man sich überhaupt bewege.

Erst wenn die Beschwerden nach 14 Wochen nicht weg seien, Taubheitsgefühl oder Blasenschwäche auftrete oder schwere Vorerkrankungen vorliegen, die einen Tumor oder eine andere schwerwiegende Ursache vermuten ließen, sei ein Besuch beim Orthopäden erforderlich. "Denn die Selbstheilungskräfte des Körpers werden unterschätzt", sagt Benthien. Inzwischen werde nur noch ein Viertel der Patienten mit Rückenschmerzen operiert. Selbst bei schweren Bandscheibenvorfällen werde inzwischen genau abgewogen, was eine Operation bringe. Benthien kann das im Vorfeld testen, indem er gezielt Schmerzmittel in einen beschädigten Nerv injiziert. Spürt der Patient eine deutliche Besserung, kann ein operativer Eingriff helfen. Durch eine OP können jedoch Narben entstehen, die für zusätzliche Beschwerden sorgen. Seiner Erfahrung nach haben aber Patienten mit Bandscheibenvorfall nach fünf Jahren das gleiche Ergebnis, ob sie operiert wurden oder nicht. "Die Frage ist nur, ob sie diese Zeit aushalten.

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