Berlin - Bundesjustiz- und Verbraucherminister Heiko Maas (SPD) hat sich für den verstärkten Einsatz des sogenannten Nudgings als Instrument der Politik ausgesprochen.

Dabei geht es darum, Bürgern unter anderem mit Methoden der Psychologie und der Soziologie einen "Stups" ("nudge") zu geben, um ihr Verhalten in die gewünschte Richtung zu lenken. "Mit einem kleinen Stups in die richtige Richtung lässt sich manchmal mehr für Verbraucherinnen und Verbraucher erreichen als mit mehr staatlichem Zwang und Verboten", schrieb Maas in einem Beitrag für den Berliner "Tagesspiegel".

Als Beispiel nannte er die Installation von Countdown-Anzeigen an Fußgängerampeln. "Modellversuche etwa in Hamburg haben gezeigt, dass sehr viel weniger Menschen bei Rot gehen, wenn sie wissen, wie lange sie noch warten müssen", erläuterte Maas. Das sei effektiver, als neben jede Ampel einen Polizisten zu stellen oder Bußgelder drastisch zu erhöhen.

Kritiker des Modells, darunter Mitglieder aus dem von Maas eingerichteten Sachverständigenrat für Verbraucherfragen, argumentieren hingegen, nicht der Staat solle für die Bürger entscheiden, sondern man müsse die Bürger in die Lage versetzen, selbst und bewusst gute Entscheidungen zu fällen.

Im Kanzleramt arbeiten inzwischen drei Fachkräfte für das Projekt "Wirksamer regieren". Sie sollen mit wissenschaftlichen Methoden der Psychologie, Soziologie und Verhaltensökonomie Strategien entwickeln, um den Bürgern die Politik der Regierung näher zu bringen.