Magdeburg l Vor fast 200 Jahren hat der britische Arzt James Parkinson die Symptome einer später nach ihm benannten Krankheit beschrieben. Im deutschen Sprachraum ist sie auch unter dem Begriff "Schüttellähmung" bekannt. "Dieser Name erklärt nur unvollkommen die vielfältigen Symptome der zweithäufigsten neurodegenerativen Erkrankung in Deutschland", so Dr. Imke Galazky, Oberärztin an der Magdeburger Universitätsklinik für Neurologie.

Zwischen den ersten, unspezifischen Symptomen und der Parkinson-Diagnose können manchmal mehrere Jahre liegen. Neben körperlichen Beschwerden (siehe Infokasten) zeigen die Patienten oftmals auch eine allgemeine Lust- und Interesselosigkeit. Zusätzlich können Depressionen, Kreislauf-, Schlaf- und Verdauungsstörungen sowie sexuelle Probleme die Lebensqualität beeinträchtigen.

Wie ein Gefangensein im eigenen Körper
Patienten beschreiben ihre fortschreitenden Einschränkungen oftmals "wie ein Gefangensein im eigenen Körper". "Demenzielle Symptome treten aber erst in späten Krankheitsstadien auf", so die Oberärztin Dr. Galazky.

Der "Morbus Parkinson" zählt wie die Alzheimer-Demenz zu den neurodegenerativen Erkrankungen. Im Gehirn sterben aus noch unbekannter Ursache Nervenzellen nach und nach ab. Als Risikofaktoren werden genetische und Umweltfaktoren wie der Umgang mit Pestiziden in der Landwirtschaft wissenschaftlich diskutiert. Auch fast 200 Jahre nach der Erstbeschreibung durch James Parkinson gelingt es nicht, das Fortschreiten der degenerativen Nervenerkrankung zu stoppen.

"Die gute Nachricht ist, dass sich die Symptome über viele Jahre hinweg mit verschiedenen Therapien deutlich lindern lassen", so die Neurologin. Zur Therapie gehören Medikamente, die krankheitsbedingte Verluste des Nervenbotenstoffs Dopamin ausgleichen (L-Dopa, Dopaminagonisten, NMDA-Rezeptor-Antagonisten, COMT- und MAO-B-Hemmer).

Depressionen, Verstopfungen und andere Begleitsymptome bedürfen einer zusätzlichen Behandlung und sollten nicht vernachlässigt werden, rät die Fachärztin.

Sehr hilfreich für Parkinson-Patienten sind darüber hinaus ergänzende physikalische Maßnahmen wie Physiotherapie, Krankengymnastik, therapeutisches Schwimmen, Massagen, Umstellungen der Ernährung und Hilfe durch Stimm- und Sprachtherapeuten (Logopäden).

Versuche, die Krankheit durch Transplantation sogenannter Stammzellen zu therapieren, befinden sich noch im experimentellen Stadium und werden meist nicht in Deutschland durchgeführt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden viele klinische Erfahrungen mit der sogenannten Tiefen Hirnstimulation gesammelt. Sie wird u.a. am Magdeburger Uniklinikum durchgeführt.